EMDR-Therapie bei Depression | Klinik Friedenweiler
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22Jan

EMDR bei Depressionen

Blog  

Eine Depression unterscheidet sich maßgeblich von der niedergeschlagenen Stimmung, die jeder Mensch beispielsweise aufgrund von familiären Rückschlägen oder negativen Ereignissen im Berufsleben zeitweise empfindet. Bei einer Depression handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung, die weit über die alltäglichen Schwankungen unserer Stimmung hinausgeht. Bei einer Depression ist es dem Betroffenen nicht mehr möglich, sich selbst von der gedrückten Stimmung, der Antriebslosigkeit oder den negativen Gedanken loszulösen. Verschiedene Behandlungsansätze haben ihre Wirksamkeit in der Therapie der Depression bewiesen. Ein neuer Ansatz ist EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), eine aus der Traumatherapie bekannte und bewährte sowie schonende Psychotherapietechnik. EMDR etabliert sich derzeit als neue und effektive Behandlungsmethode der Depression.

 

1. Symptome einer Depression

 

Zu Beginn einer Depression äußern sich bei den Betroffenen Symptome wie beispielsweise Müdigkeit, schlechte Laune oder Konzentrationsverlust. Menschen in einer Depression fühlen sich verzweifelt, hoffnungslos oder leer. Sie sind unfähig, eine normale Reaktion auf positive oder negative Ereignisse zu zeigen und empfinden jede Tätigkeit als kräftezehrend. Familie, Beruf aber auch alltägliche Aufgaben wie Haushalt, Hygiene oder Nahrungsaufnahme werden vernachlässigt.

Die Hauptsymptome einer Depression sind Interessenverlust, Freudlosigkeit und Antriebsmangel. Diese Symptome werden von einer depressiven Stimmung begleitet, die jedoch nicht mit Trauer zu vergleichen ist.

Darüber hinaus können zusätzliche Symptome auftreten, wie beispielsweise:

  1. Schlafstörungen
  2. Selbsttötungsgedanken/-handlungen
  3. Schuldgefühle
  4. Minderung des Selbstwertgefühls/Selbstvertrauens
  5. Appetitverlust

Mimik und Gestik nehmen ab, die Sprache verlangsamt sich, Bewegungen verarmen. Eine Hemmung der Auffassungsgabe und des Denkens fühlen sich für die den Patienten an, als werde er dement. Dieses Phänomen wird auch „Pseudodemenz“ genannt, ist jedoch (im Gegensatz zu einer Demenz im engeren Sinne) nach der Behandlung der Depression wieder vollkommen rückläufig.

Eine Depression verursacht jedoch nicht nur psychische Symptome, sondern macht sich auch körperlich bemerkbar. Kopf- oder Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme und körperliche Schwäche, Schwindelgefühle oder Atemprobleme sind nur einige der zahlreichen körperlichen Auswirkungen dieser Erkrankung.

Mehr zu den Anzeigen und Ursachen einer Depression können Sie hier lesen.

 

2. Wie läuft die EMDR Therapie bei einer Depression ab?

 

Bei der Eye Movement Desensitiziation and Reprocessing (EMDR) Therapieform handelt es sich um ein Verfahren zur Verarbeitung von psychischen Problemen, die durch gesteuerte Augenbewegungen eingeleitet wird. EMDR eignet sich nicht nur für Erwachsene sondern auch für Kinder und Jugendliche. Während der Behandlung liegt die Konzentration des Patienten auf bestimmten Anteilen nicht- oder falsch verarbeiteter Erinnerungen. Währenddessen folgt der Patient mit seinen Augen den Fingerbewegungen des Therapeuten. Dies soll unverarbeitete Erinnerungen reaktivieren und eine Verarbeitung dieser ermöglichen.

Die EMDR-Behandlung gliedert sich in acht Phasen. Nachfolgend haben wir für Sie den genauen Ablauf einer Therapie zusammengefasst:

 

2.1 Die erste Phase der EMDR-Therapie

In der ersten Phase findet die Anamnese und die Planung der Behandlung statt. Dies wird beispielsweise mithilfe einer Traumalandkarte durchgeführt. Hierbei werden die zehn am stärksten belastenden Lebensereignisse herausgefiltert. Diese werden in sogenannten „Ereignisclustern“ in Beziehung zueinander gesetzt. Das soll dazu beitragen, die Ziele der geplanten Sitzungen festzulegen. Des Weiteren erfasst der Therapeut die vorhandenen Ressourcen und führt bei dem Patienten einen psychometrischen Test zur Symptomausprägung durch.

 

2.2 Die zweite Phase der EMDR-Therapie

Die zweite Phase beinhaltet die Vorbereitung und die Stabilisierung. Hier findet vor allem eine individuelle und störungsspezifische Übermittlung von Wissen statt, um die therapeutische Beziehung zu festigen. Außerdem lehrt der Therapeut dem Betroffenen sogenannte Selbstregulationsfähigkeiten, die dazu dienen sollen, die eigenen Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten an gegebene Umstände anzupassen. Eine bekannte Methode ist die Tresorübung. Vereinfacht soll sich der Patient hierbei vorstellen, dass er alle belastenden Gedanken und Gefühle in einen Behälter einschließt. Das Ziel ist es nicht, diese zu vergessen und völlig außer Acht zu lassen, sondern viel mehr, diese zeitweise aus dem Blickfeld verschwinden zu lassen und sich zu einem späteren Zeitpunkt darum zu kümmern.

 

2.3 Die dritte Phase der EMDR-Therapie

In der dritten Phase findet die Bewertung statt. Hierbei werden Verbindungen zwischen Bildern, Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen der belastenden Ereignisse hergestellt. Im Anschluss erfolgt eine Bewertung auf Basis des Belastungsgrades. In dieser Phase werden jedoch nicht nur negative Gedanken thematisiert, sondern auch Positive. Hierbei wird beispielsweise bewertet, wie wahrscheinlich es ist, dass „etwas, das sein könnte“ eintritt. Diese Phase ist essentiell für die Behandlung, da hier sichtbar wird, dass die negativen Gefühle abnehmen und die positiven Gedanken im Laufe der Therapie überwiegen.

 

2.4 Die vierte Phase der EMDR-Therapie

Die vierte Phase dient der Desensibilisierung und der Reprozessierung. Der Patient wird dazu angeleitet, rasche Blickwechsel von links nach rechts zu machen. Während dessen soll er oder sie sich auf die belastenden Gedanken, Gefühle, Bilder oder Wahrnehmungen fokussieren. In dieser Phase steht der Erkrankte in ständiger Kommunikation mit dem Therapeuten, der je nach Erlebensmoment verschiedene Interventionen tätigen kann.

 

2.5 Die fünfte und sechste Phase der EMDR-Therapie

In der fünften und sechsten Phase wird die Verarbeitung weiter gefördert. Positive Gefühle werden in den Vordergrund gerückt, während negative Empfindungen weiterbearbeitet und abgebaut werden. Positive Gedanken beschäftigen sich beispielsweise damit, dass das Erlebte vorbei ist und mit der Frage, wie damit heute umgegangen werden kann. Außerdem wird geprüft, ob der Patient weitere Sitzungen benötigt oder ob er Besserung verspürt.

 

2.6 Die siebte und achte Phase der EMDR-Therapie

Die letzten beiden Phasen dienen dem Abschluss der Behandlung und der anschließenden Überprüfung oder Evaluation. Auf eventuell auftauchende Erinnerungen wird der Patient vorbereitet. Das Ziel ist es, die Erinnerung zu entlasten und die negativen Gedanken in positive umzuformulieren. Folglich soll die zuvor belastende Erinnerung als harmloser empfunden werden. Nach Abschluss der Behandlung findet nach einer Woche eine Nachbefragung statt. Hier steht vor allem die Frage nach Träumen oder Erinnerungen im Vordergrund. Sollten diese aufgetaucht sein, so muss die Behandlung möglicherweise weitergeführt werden. Ansonsten gilt die Behandlung als abgeschlossen.

 

3. Indikationen für die Behandlung mit EMDR

 

Ursprünglich wurde EMDR zur Behandlung von Traumata verwendet. Heutzutage wird EMDR als eigenes psychotherapeutisches Verfahren zur Heilung zahlreicher Erkrankungen angewendet, die vor allem ihren Ursprung in belastenden Lebensereignissen haben. Dazu gehören unter anderem jegliche Arten von Traumata, Angst- oder Panikstörungen, Zwangsstörungen oder Suchterkrankungen. EMDR kann aber auch zur Bewältigung von Stress, Leistungsblockaden und chronischen Schmerzen angewendet werden

 

4. Kontraindikationen für die Behandlung mit EMDR

 

Auch wenn EMDR für viele Erkrankungen eingesetzt werden kann, gibt es auch hier Grenzen. Patienten, die an einer noch floriden Psychose, schweren hirnorganischen Störungen (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma), unkontrollierbaren Epilepsien oder anderen somatischen Erkrankungen leiden, sollten mit dem Arzt prüfen, ob eine Behandlung mittels EMDR möglich ist. Weitere Kontraindikationen sind der Einfluss von Drogen oder Alkohol, demenzielle Störungen oder andere höhergradige kognitive Beeinträchtigungen.

 

5. Vor- und Nachteile der EMDR-Therapie

 

Prinzipiell ist EMDR ein sehr schonendes Therapieverfahren mit sehr geringen Nebenwirkungen. In der Traumatherapie sind Nebenwirkungen der EMDR-Therapie deutlich geringer als die anderer Therapieverfahren.

Durch die Verarbeitung negativer Erfahrungen werden verdrängte Erlebnisse und Emotionen in Erinnerung gerufen, wodurch die Belastung des Patienten kurzzeitig ansteigen kann. Sogenannte Abreaktionen können hierbei weder durch den Therapeuten noch durch den Betroffenen vorhergesagt werden. Nach der Behandlung kann es vorkommen, dass Träume, Gefühle oder Erinnerungen in Bezug auf die belastenden Erlebnisse eintreten. Das liegt daran, dass die Verarbeitung der negativen Ereignisse weiter erfolgt.

Aufgrund der Effizienz von EMDR wird diese Behandlung sowohl von Therapeuten als auch Patienten bevorzugt angewendet. Folglich profitieren beide Seiten von besonders hoher Effektivität und Motivation innerhalb der Behandlung. Intensive Empfindungen, die häufig während einer Therapie auftreten, kann der Patient aus eigener Kraft regulieren, da er zu Beginn der Behandlung die Selbstregulationsfähigkeiten erlernt. Dieser Bestandteil sorgt dafür, dass sich der Patient gegenüber der belastenden Erinnerung sicherer und stärker fühlt.

 

6. Erfolgsausschichten einer Behandlung mit der EMDR-Methode

 

Auch wenn die Belastung des Patienten während der Therapie steigen kann, erlebt er auf lange Sicht und vor allem nach der Therapie eine Entlastung in Bezug auf seine Erinnerung, da negative Gedanken neu und positiv umformuliert werden können. Für einen positiven Verlauf der Behandlung ist es wichtig, dass Sie von einem erfahrenen und zertifizierten Therapeuten (link EMDRIA) behandelt werden. Spezifische Erfahrungen mit den Krankheitsbildern sind neben der EMDR-Qualifikation für den Therapeuten wichtig, um EMDR in die Therapie zu integrieren. Der Behandler muss nicht nur die EMDR-Technik beherrschen, sondern diese auch in das EMDR-therapeutische Verfahren optimal einbringen. Auch ist es wichtig, dass die Behandlung in einem für den Patienten sicheren Umfeld erfolgt.

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