EMDR-Therapie bei Angststörungen | Klinik Friedenweiler
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EMDR-Therapie bei Angststörungen

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Angst ist zunächst ein lebensrettender Schutzmechanismus, den wir alle benötigen: Der Blick nach rechts und links bei der Überquerung einer Straße oder das Abschließen der Haustüre bei Nacht, Angst schützt uns und schärft unsere Sinne. Bei einer Angststörung sind die Ängste überzogen und zum Teil irrational: Hierbei handelt es sich nicht um die alltägliche Angst, die Sie durch Ihr Leben begleitet. Bei einer Angsterkrankung fürchtet sich der Patient vor alltäglichen Dingen, von denen häufig keine Bedrohung ausgeht und die von anderen Menschen als völlig harmlos angesehen werden.

Wie sich eine Angststörung äußert und mehr zu der speziellen Behandlungsmöglichkeit des EMDR erfahren Sie in diesem Artikel.

 

1. Symptome einer Angststörung

 

Es gibt viele unterschiedliche Arten der Angststörung. Am häufigsten treten jedoch folgende Phobien auf. Weiterführende Informationen erhalten Sie hier.

 

1.1 Panikstörung

Bei der Panikstörung leidet der Patient unter plötzlichen Angstattacken, die im Verlauf der Erkrankung auch ohne äußere Auslöser auftreten. Die Panikattacken sind begleitet von extremen Gefühlen wie Todesangst. Auch wenn die Angstattacken meist nur wenige Minuten andauern, leiden die Betroffenen unter sehr belastenden körperlichen und psychischen Symptomen wie Luftnot, Erstickungsgefühlen, Übelkeit etc.

 

1.2 Platzangst (Agoraphobie)

Bei dieser Phobie handelt es sich um die Angst vor engen Räumen, Menschenmengen aber auch weiten Plätzen ohne Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Zugrunde liegt hierbei die Angst des Betroffenen ist hierbei vor einem Kontrollverlust. Agoraphogische Ängste treten also vor allem an Orten auf, an denen es schwierig ist, einen sicheren Ort oder Hilfe zu finden, oder Situationen, in denen man peinliches Aufsehen (z.B. durch Erröten, Ohnmacht, Zittern o.a.). Vor allem Menschen, die unter als unkontrollierbar erlebten Panikattacken leiden, entwickeln oft eine Agoraphobie. Sie kann jedoch auch als eigenständige Erkrankung auftreten.

 

1.3 Generalisierte Angststörung

Bei dieser Art der Angststörung leiden die Patienten unter diffusen und langanhaltenden Ängsten, die viele verschiedene Lebensbereiche berühren und die nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt sind. Es handelt sich um eine ständige Grundanspannung und fortwährende Sorgen um mögliche Erkrankungen oder Unfälle von nahestehenden Personen, Gesundheit, Finanzen, den Arbeitsplatz, auch ohne konkreten Anlass. Diese Ängste werden auch als „frei flottierend“ bezeichnet, da sie weitestgehend unabhängig von äußeren Faktoren sind. In der Folge leiden die Betroffenen unter innerer Anspannung, Grübeln, Nervosität und Schlafstörungen.

Das Gefühl einer anstehenden Katastrophe ist signifikant für diese Störung. Einzeln über den Tag verteilt können sich unter anderem folgende Symptome zeigen:

  • Übelkeit
  • Muskelverspannungen
  • Herzrasen
  • Zittern
  • Gedankliche Einengung und Grübeln

 

1.4 Spezifische Phobien

Bei dieser Phobie handelt es sich um die Angst vor einzelnen Objekten oder Situationen, wobei die Angst in dieser Form übertrieben und irrational erscheint. Hierzu gehört beispielsweise die Angst vor bestimmten Tieren, Insekten, Höhe oder vor dem Verletzen. Respekt vor Schlagen oder Spinnen ist beispielsweise im Kontext der evolutionären Entwicklung des Menschen sinnvoll. Wenn der Betroffene jedoch aus einer Angst, es könnten Spinnen im Zimmer sein, Räume nicht betreten kann, hat die Angst einen krankheitswertigen Charakter bekommen. Dann ist ein einfacher Gedanke an diese Objekte oder Situationen ausreichend, um Unbehagen oder panische Angst auszulösen. Oft wissen die Betroffenen über ihre übertriebenen Reaktionen Bescheid und schämen sich deshalb.

 

2. Ablauf einer EMDR-Behandlung bei Angststörungen

 

EMDR steht für Eye Movement Desensitiziation and Reprocessing. Bei dieser Therapieform bewegt der Therapeut seine Finger im Sichtfeld des Patienten, um so eine kontrollierte Augenbewegung hervorzurufen. Etwas vereinfacht gesagt werden hierdurch blockierte Verarbeitungen in gewissen Gehirnarealen ermöglicht und vereinfacht. Parallel zu den Fingerbewegungen wird der Patient deshalb gebeten, sich auf seine Ängste zu fokussieren. Ziel der Therapie ist es, die mit den Ängsten gekoppelten negativen Emotionen besser zu erkennen und zu kontrollieren, und negative Gedanken gegen positive Gedanken auszutauschen. Eine Voraussetzung für die EMDR-Behandlung ist die Identifizierung der individuellen Angstgeschichte und –muster, weshalb EMDR immer in einen psychotherapeutischen Gesamtkontext eingebettet werden muss.

Die klassische EMDR-Therapie wird in acht Behandlungsphasen aufgeteilt:

 

  1. Zu Beginn der Therapie erfolgt die Erfassung der Vorgeschichte und die Aufklärung des Patienten. Im Anschluss wird eine Diagnose gestellt und es folgt die Erstellung eines Behandlungsplans.
  2. Falls der Patient labil ist, erfolgt zunächst eine Stabilisierung z.B. mithilfe von Entspannungstechniken, imaginativen Verfahren. Außerdem erfolgt die Absprache, dass der Patient die Bearbeitung der Erinnerung jederzeit unterbrechen kann.
  3. Im dritten Schritt wird eine Erinnerung identifiziert, die eine zentrale Bedeutung in Bezug auf die Angststörung hat. Nachfolgend wird diese dann mithilfe der begleitenden Gedanken, dem inneren Bild, den Emotionen und den begleitenden körperlichen Reaktionen beschrieben.
  4. In Abschnitten von ca. ½ Minuten reaktiviert der Patient an das Erlebte, gleichzeitig findet die bilaterale Stimulation (Augenbewegungen oder Berührung der Hände) statt. Im Intervall erfragt der Therapeut immer wieder die aktuelle Gefühlslage des Patienten.
    Von der vierten Phase an gestaltet sich die Therapie individueller. Diese Phase kann sich über mehrere Sitzungen erstrecken. Am Ende dieser Phase verringert sich die Belastung durch die Ängste erheblich, da die Symptome besser erkennbar und kontrollierbar werden.
  5. In der fünften Phase erfolgt die Verankerung mit positiven Gedanken, die zuvor gemeinsam erarbeitet wurde. Diese können sich beispielsweise damit auseinandersetzen, dass die ursprünglich angstauslösende Situation vorbei ist oder mit der Frage, wie man damit heute umgehen kann.
  6. Nachfolgend wird getestet, ob der Patient noch Bedarf sieht, weitere therapeutische Behandlungen zu beanspruchen oder ob er bei der Auseinandersetzung mit der Erinnerung Besserung verspürt.
  7. In der siebten Phase wird die Behandlung abgeschlossen. Der Patient wird vorbeugend auf eventuell auftauchende Erinnerungen vorbereitet.
  8. Nach einer Woche findet eine Nachbefragung statt. In dieser wird erfragt, ob der Patient Träume oder Erinnerungen hatte und demnach die Therapie weiterführen muss. Ist dies nicht der Fall, so war die Therapie erfolgreich und kann beendet werden.

 

3. Vor- und Nachteile der EMDR-Therapie

 

Die EMDR-Methode bietet dem Betroffenen im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten eine schonende und kurze Behandlungsdauer. Die Wirksamkeit von EMDR bei anderen Störungsbildern wie zum Beispiel bei Traumafolgestörungen ist durch viele wissenschaftliche Studien bewiesen.

Wie bei jeder Therapie kann es kurzzeitig zu einer erhöhten Belastung kommen. Dies kann aufgrund folgender Ursachen passieren:

  • Auftauchen noch nicht verarbeiteter Erinnerungen, die den Betroffenen emotional belasten
  • Erleben intensiver Emotionen und körperlicher Empfindungen während der Behandlung
  • Eventuelles Auftauchen neuer Träume oder Erinnerungen durch die Verarbeitung der belastenden Ereignisse, die zuvor verdrängt waren

Treten diese Nebenwirkungen auf, können diese jedoch erkannt und effektiv behandelt werden.

 

4. Erfolgsaussichten

 

EMDR hat sich als äußerst effektives Therapieverfahren bei Traumata bewährt. Bei Angststörungen liegen für eine abschließende Wirksamkeitsbeurteilung noch nicht genug Studien vor – erste Ergebnisse sind aber sehr vielversprechend. EMDR ist eines der modernsten Psychotherapieverfahren weltweit.

Für den erfolgreichen Abschluss ist es wichtig, dass der Therapeut die erforderliche Ausbildung (mit einem Zertifikat von EMDRIA und ggf. einer Kassenzulassung für EMDR), aber auch Erfahrung mit der Anwendung bei dem Störungsbild hat, und die Behandlung in einem sicheren Setting erfolgt.

Eine erfolgreiche EMDR-Behandlung bewirkt:

  • Entlastende Besserung der Erinnerung
  • Reduzierung der körperlichen Erregung
  • Umformulierung negativer Gedanken in positive Gedanken
  • Zuvor belastende Erinnerungen werden als weniger bedrohlich empfunden
  • Die Angst verliert ihren überwältigenden Charakter und wird kontrollierbar
  • Freiräume und Bewegungsradius nehmen zu
  • Die Lebensqualität steigt

 

5. Häufig gestellte Fragen

  1. Was für Angststörungen gibt es?
    Prinzipiell ist Angst eine wichtige Grundemotion mit Schutzfunktion. Angst bekommt dann einen Krankheitswert, wenn die Ängste übertrieben, inadäquat und gehäuft auftreten. Es gibt viele verschiedene Arten von Angststörungen. Sie können einerseits gerichtet sein gegen ein besonderes Objekt oder eine Situation (zum Beispiel die soziale Phobie) oder auch diffus (wie beispielsweise die generalisierte Angststörung).
  2. Was sind Phobien?
    Phobien sind bestimmte Ängste, die sich jedoch von anderen Angststörungen abgrenzen, da sie immer auf ein spezifisches Objekt oder eine bestimmte Situation bezogen sind. Außerdem stellen sich Phobien in den meisten Fällen als unbegründet heraus, da von den Situationen / Objekten keine reelle Gefahr aufweisen.
  3. Welche Phobien gibt es?
    Es gibt eine Vielzahl an Phobien, da Menschen prinzipiell vor allem Ängste entwickeln können. Zu den am weitesten Verbreiteten Phobien zählen die Klaustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen), die Agoraphobie (Angst vor weiten und öffentlichen Plätzen ohne Rückzugsmöglichkeit), die Dentophobie (Zahnbehandlungsphobie), die Aviophobie (Flugangst), die Akrophobie (Höhenangst) und die soziale Phobie (Angst im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen).

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