Behandlungen einer Depression ohne Medikamente | Klinik Friedenweiler
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19Sep

Depression therapieren ohne Medikamente – Diese Behandlungsformen gibt es!

Blog  

1. Die nicht-medikamentöse Behandlung von Depression

Viele Patienten haben Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka und wünschen, dass Depression ohne Medikamente behandelt wird. Medikamente sind jedoch immer nur ein Teil eines Gesamtbehandlungskonzeptes, abhängig vom Schweregrad der Depression und der Art der Depression werden auch in den wissenschaftlichen Leitlinien nicht-medikamentöse Behandlungsansätze vorgeschlagen oder sogar Medikamenten gegenüber bevorzugt.

Bei leichten depressiven Episoden oder kurzen Verläufen wird beispielsweise vom Einsatz von Antidepressiva zunächst abgeraten („watch and wait“). Aber auch bei schwerer Depression sollte die Behandlung nie auf ein Medikament reduziert sein, da auch sehr effiziente, nicht-medikamentöse Verfahren, wie spezielle Psychotherapieformen für den Heilungsprozess einer Depression eingesetzt werden können.

Nicht-medikamentöse Verfahren sind oft nebenwirkungsärmer und nachhaltiger, d.h. die Wirkung hält länger an. Gegenüber Medikamenten haben nicht-medikamentöse Verfahren allerdings den Nachteil, dass sie eine längere Latenz haben können, d.h. der Wirkungseintritt erfolgt später.

 

2. Die verschiedenen Behandlungsverfahren

Prinzipiell wird unterschieden zwischen Psychotherapie und Somatotherapie.

Unter der Somatotherapie versteht man die Behandlungsformen, die einen physischen, also körperlichen Ansatz haben. Somatotherapeutische Behandlungsverfahren sind zum Beispiel:

 

2.1 Körpertherapien

2.1.1 Die Schlafentzugstherapie/Schlafphasenvorverlagerung

Während der Wachtherapie schläft der Patient eine ganze Nacht nicht. Anschließend wird das Zubettgehen jeweils um eine Stunde nach hinten verschoben bis wieder die normale Zeit ins Bett zu gehen erreicht ist. Während der Zeit im Schlafentzug werden Maßnahmen getroffen, den Patienten zu unterstützen.

Die Wachtherapie begünstigt eine Veränderung der Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn, wodurch sehr schnell eine antidepressive Wirkung erreicht werden kann. Die Dauer dieses positiven Effekts ist allerdings zeitlich limitiert. Nichtsdestotrotz können die positive Erfahrung und die Erkenntnis, überhaupt noch positive Erfahrungen machen zu können, zum Heilungsprozess einer Depression positiv beitragen, sodass die Wachtherapie einen Baustein in der Depressionsbehandlung ausmachen kann.

 

2.1.2 Lichttherapie

Bei der Lichttherapie wird der Patient mit gefiltertem, weißem Licht bestrahlt. Die Anwendung erfolgt in der Regel morgens unmittelbar nach dem Aufstehen, damit das Schlafhormon Melatonin gehemmt wird. Die Lichtstärke hat dabei eine Intensität von 2.500 bis 10.000 Lux (wesentlich intensiver als normales Raumlicht). Je nach Intensität erfolgt eine Bestrahlung von 30 Minuten bis zu zwei Stunden. Wichtig ist, dass das Licht die Netzhaut der Augen trifft, um eine antidepressive Wirkung zu erzielen. Dabei muss nicht die ganze Zeit in das Licht geschaut werden, es reicht den Blick ab und an in die Richtung der Tageslichtlampe zu werfen.

Die Behandlung mit der Lichttherapie wird in den meisten Fällen mit saisonalen Depressionen – auch Herbst- oder Winterdepressionen genannt – angewandt, da dort die natürliche Lichteinstrahlung der Sonne deutlich eingeschränkt ist. Aber auch bei anderen Depressionsformen kann die Lichttherapie aufgrund der positiven Auswirkungen der Lichteinstrahlung als Behandlungsmethode eingesetzt werden.

Ängste vor den negativen Auswirkungen von Sonnenstrahlen sind übrigens unbegründet, da die schädlichen UV-Anteile des Lichtes bei den speziellen Therapielampen nicht vorkommen.

Mehr zur Lichttherapie erfahren Sie in unserem Blogartikel „Lichttherapie zur Behandlung von Depressionen“

 

2.1.3 EKT

Bei der Elektrokrampftherapie beziehungsweise Elektrokonvulsionstherapie – kurz EKT genannt – wird unter einer kurzzeitigen Vollnarkose mit einem Medikament zur Muskelentspannung ein elektrischer Reiz gegeben, sodass ein kontrollierter, nur wenige Sekunden andauernder Krampfanfall ausgelöst wird. Die Behandlung dauert insgesamt nur wenige Minuten und wird am Anfang der Therapie bis zu drei Mal wöchentlich durchgeführt. Nach Verbesserung der Symptome wird die Anwendung reduziert bis meist nur noch ein Erhaltungs-EKT pro Monat durchgeführt wird.

In Deutschland wird die EKT im Vergleich zu anderen Ländern seltener angewendet, trotz hoher Wirksamkeit. Gerade bei schwerer und therapierefraktärer Depression, also schwierigen Krankheitsverläufen mit fehlendem Ansprechen auf Medikamente ist EKT eine Methode, die einen therapeutischen Durchbruch erreichen kann.

 

2.2 Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren dienen innere Ruhe, Wohlbefinden und Gelöstheit zu erreichen und aufrecht zu erhalten. Gerade Menschen in der Depression haben ihr inneres Gleichgewicht verloren, weshalb die Entspannungsverfahren ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Behandlung sind. Es gibt verschiedene Methoden zur Entspannung, die in der Depressionsbehandlung eingesetzt werden.

 

2.2.1 Autogenes Training

Im autogenen Training wird mit Hilfe autosuggestiver Übungen die Fähigkeit zur Entspannung verbessert. Dabei eine bewusste Fokussierung auf den eigenen Körper und einzelne Körperteil („Mein Arm wird ganz schwer.“). Autogenes Training kann geführt erlernt werden oder nach Erlernen selbst durchgeführt werden. Es hat eine unterstützende Wirkung bei der Heilung von Depression und somatoformen Störungen.

 

2.2.2 Biofeedback-Therapie

Das Biofeedback dient dazu, vegetative Körperfunktionen rückzumelden und somit dem Bewusstsein zugänglich zu machen. Hierdurch kann gelernt werden, unbewusst und automatisch ablaufende Prozesse des eigenen Körpers gezielt wahrzunehmen und dieser in der Folge selbst beeinflussen zu können.

Klassischerweise wird in der Biofeedback-Therapie mit dem Puls, dem Blutdruck, dem Hautwiderstand/der Schweißdrüsenaktivität und manchmal auch mit den Hirnströmen gearbeitet. Hierzu werden Sensoren am Körper angebracht, welche beispielsweise die Herzfrequenz messen, und über einen Computer für den Patienten sichtbar gemacht werden. Somit können über die gemessenen und visualisierten Wert körpereigene Abläufe nachvollzogen und bewusst gemacht werden.

In einem nächsten Schritt kann geübt werden, die eigentlich autonomen Körperfunktionen zum Beispiel durch Entspannungsverfahren positiv zu beeinflussen. Biofeedback kann somit in der Stressbewältigung, aber auch bei der Therapie psychischer Störungen eingesetzt werden. Als besonders hilfreich hat sich Biofeedback in der Behandlung von psychosomatischen Beschwerden, Angststörungen und bei Depression erwiesen.

 

2.2.3 Meditation

Allen Formen der Mediation gemeinsam ist, durch Übungen das Bewusstsein zu beeinflussen oder zu erweiterten. Es existieren vielerlei Arten von Meditationen, die in der Regel in einen psychologischen oder auch spirituellen Kontext eingebunden werden. In der Psychotherapie wird Meditation unabhängig von religiösen Aspekten oder spirituellen Zielen eingesetzt.

Meditation dient hier dem Erreichen innerer Gelassenheit und der Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens, in dem die Wahrnehmung äußerer Reize reduziert wird, und das Bewusstsein auf eine Betrachtung fokussiert wird. Meditation kann somit als therapeutisches Mittel eingesetzt werden, einen Bewusstseinszustand zu erreichen, in welchem das gegenwärtige Erleben im Vordergrund steht, welches frei von Rückblicken in die Vergangenheit oder Sorgen um die Zukunft ist („Hier und Jetzt“), und welches sich von gewohntem Denken und Bewertungen befreit. Ziel ist es, ein gelassenes Gewahrsein und einen Zustand tiefer Entspannung zugleich zu erreichen. Es gibt hierbei Überlappungen zu anderen Techniken der Achtsamkeit und zu Entspannungsverfahren.

In der westlichen Medizin und in der Psychotherapie wird die Meditation vor allem als Entspannungstechnik verstanden und eingesetzt. Durch Meditation können messbare Veränderungen vegetativer Körperfunktionen erfolgen, wie zum Beispiel Veränderungen von Herzschlag und Blutdruck, Muskelspannung, Hautwiderstand, Atmung, Hirnströme u.v.m. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Meditation einen positiven Einfluss auf Störungsbilder wie Depression, chronischer Schmerz und Angsterkrankungen haben können, weshalb meditative Übungen einen wichtigen Bestandteil in einem ganzheitlichen Therapieansatz bei psychischen Erkrankungen haben können.

Aber auch unabhängig von dem therapeutischen Nutzen kann Mediation eingesetzt werden, um einen langfristig besseren Umgang mit Stress zu erlangen, Ängste abzubauen und ein stabileres inneres Gleichgewicht zu erreichen.

 

2.3 Psychotherapie

In der Psychotherapie werden Erkrankungen mit psychologischen Methoden wie psychotherapeutischen Gesprächen, Entspannungsverfahren oder anderen kognitiven Methoden behandelt. Gemeinsam identifizieren Therapeut und Patienten Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens und suchen nach alternativen Denk- und Handlungsmustern. So werden zum Beispiel Methoden geübt, um lösungsorientierter mit Stress, negativen Bewertungen oder Umweltveränderungen umzugehen. Auch können gezielt schwierige Situationen aufgesucht werden, die für den Betroffenen schwer zu lösen sind. Dies kann gedanklich (in sensu) oder im realen Leben (in vivo) erfolgen, um konkrete Übungen durchzuführen.

Psychotherapien gehören in der Psychiatrie zu den am besten untersuchten Behandlungsmaßnahmen und haben einen großen Stellenwert in der leitliniengerechten Behandlung von psychischen Erkrankungen. Hierbei ist zu beachten, dass unterschiedliche Erkrankungen andere psychotherapeutische Techniken erfordern (eine Angsterkrankung wird anders behandelt als eine Traumafolgestörung oder eine Zwangsstörung). Psychotherapie geht deshalb weit über ein allgemeines empathisches Gespräch hinaus, und bedarf eine profunde Kenntnis des Therapeuten der Erkrankungsbilder und konkreter Erfahrung mit der Störung.

Des Weiteren spielt die Individualität der Behandlung die wichtige Rolle, da die Bedürfnisse, Ziele und Ressourcen eines jeden Menschen anders sein können, und die Therapie für jeden Patienten angepasst und auf ihn abgestimmt werden muss. Auch sind die individuellen Erklärungen für das Zustandekommen einer Problematik (und daraus resultierend Möglichkeit zum künftigen Schutz) bei jedem Menschen anders. Wichtiger Teil einer Psychotherapie ist deshalb die Erarbeitung eines individuellen Krankheitsmodelles durch den Patienten und den Therapeuten gemeinsam.

Es gibt verschiedene Schulen der Psychotherapie, welche sich in ihrem historischen Kontext aber auch in ihrer Herleitung von Störungsbildern deutlich unterscheiden. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die therapeutische Bindung, also das Vertrauensverhältnis von Patient zu Therapeut und umgekehrt, eine herausragende Rolle spielt und für den therapeutischen Erfolg entscheidend ist.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite Therapieplanung und Methoden.

 

2.3.1 Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die kognitive Verhaltenstherapie beruht auf der Annahme, dass unser Denken das Handeln und Fühlen maßgeblich bestimmt. Außerdem hat jeder Mensch individuelle Verhaltensmuster, auf die er in bestimmten Situationen zurückgreift. Manche dieser Verhaltensmuster sind zwar in dem biographischen Kontext erklärbar, führen aber regelmäßig zu Problemen im Umgang mit sich oder der Umwelt. Somit können sich eingeschlichene Verhaltensmuster und emotionale Reaktionsweisen negativ auswirken und in einer Depression oder Angststörung münden.

Die Therapie setzt daran an, diese dysfunktionalen (nicht-zielführenden) Muster zunächst zu identifizieren und dann so zu verändern, dass der Umgang mit den eigenen Gefühlen und dem sozialen Umfeld konstruktiver wird. Maßnahmen sind hierfür beispielsweise der Wiederaufbau von sozialen Tätigkeiten, sodass positive Erfahrungen, und somit Denk- und Verhaltensmuster, entstehen können. Patient und Therapeut begreifen sich in diesem Prozess als gleichberechtigte Partner, eine aktive Mitwirkung des Patienten ist hierbei unabdingbar.

In der Psychotherapieforschung konnte eine sehr gute Wirksamkeit der KVT vor allem bei Depression und Angststörungen nachgewiesen werden, weshalb sie einen hohen Stellenwert in den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von psychischen Erkrankungen hat.

 

2.3.2 Die interpersonelle Psychotherapie (IPT)

Die interpersonelle Psychotherapie ist einer psychodynamischen Theorie entstanden, verwendet jedoch im therapeutischen Alltag viele verhaltenstherapeutische Elemente. Zur Wirksamkeit von IPT bei affektiven Störungen (vor allem Depression) gibt es eine Vielzahl von Studien, welche die Effizienz dieser Psychotherapieform eindrücklich belegen.

Die IPT basiert auf der Annahme, dass psychische Probleme auf dem Boden von Kommunikationsstörungen entstehen. Die therapeutische Arbeit bezieht sich deshalb insbesondere auf das Arbeiten an den Beziehungen des Patienten und insbesondere die grundsätzlichen Beziehungsmuster untersucht und herausgearbeitet. Ziel der Behandlung ist es, die Kommunikationsfähigkeiten beziehungsweise das Verhalten zu verbessern, soziale Stresssituationen besser bewältigen zu können sowie geeignete Problemlösetechniken zu erlernen und anzuwenden.

 

2.3.3 CBASP

Für CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) gibt es bislang kein deutsches Wort, es handelt sich um ein speziell für Patienten mit chronischer Depression entwickeltes Verfahren, welches sich keiner der klassischen psychotherapeutischen Schulen zuordnen lässt, sich aber mehrerer Elemente bewährter psychotherapeutischer Verfahren bedient. CBASP ist im Vergleich mit anderen therapeutischen Verfahren stärker strukturiert und erfordert ein direkteres Vorgehen des Behandlers, was gerade bei Patienten, die unter einer langen Erkrankungsdauer und den dadurch bedingten Einschränkungen leiden.

Wie auch bei der IPT betrachten Patient und Therapeut gemeinsam kommunikative Aspekte, also den Umgang des Patienten mit anderen Personen. Hierbei bringt sich der Therapeut auch selbst aktiv ein, auch die Patienten-Therapeuten-Beziehung wird hierbei betrachtet und therapeutisch genutzt.

Studien konnten zeigen, dass CBASP bei chronischer Depression nicht nur effektiv helfen kann, sondern dass auch Wirkungen erzielt werden können, die medikamentenähnlich sind (am wirkungsvollsten zeigten sich bei chronischer Depression die Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten).

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