Bipolare Störung - Wichtiges für Angehörige
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24Nov

Bipolare Störung – Die wichtigsten Informationen für Angehörige

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Stimmungsschwankungen kennt jeder Mensch, sie sind Bestandteil unseres alltäglichen Lebens. Einen Krankheitswert bekommen die Auslenkungen unserer Stimmung dann, wenn sie das übliche Ausmaß deutlich überschreiten, und vor allem auch ohne äußere Anlässe oder aus geringem Anlass auftreten. Typisch für eine bipolare Störung sind nicht nur Veränderungen der Stimmungslage, sondern auch der Tagesrhythmik, des Schlafverhaltens, Sozialverhaltens, Antriebs, des Denkens und Selbstwertgefühls. Die meisten Menschen können sich heute unter dem Begriff der Depression ein relativ klares Krankheitsbild vorstellen. Wenn Depressionen wiederholt auftreten spricht man von einer wiederkehrenden oder rezidivierenden Erkrankung mit unipolarem Verlauf. Unipolar bedeutet hier, dass ausschließlich depressive Episoden auftreten, aber keine manischen Phasen. Bei der bipolaren Störung ist dies anders. Zwar gibt es auch hier depressive Phasen (diese überwiegen meist), es kommen jedoch auch Stimmungsauslenkungen nach oben vor. Menschen, die akut manisch sind, leiden auch unter einer Steigerung des Antriebs und unter Schlaflosigkeit, Ideenreichtum, Weitschweifigkeit, und Größenideen, die sich bis zu einem Wahn steigern können (irrationale Ideen). Hieraus kann eine verzerrte Wahrnehmung und Interpretation der Realität entstehen, und Fehlhandlungen folgen. Diese Fehlhandlungen können fatalen Charakter haben. Folge können Fehlkäufe sein („Kaufrausch“), berufliche Beziehungen und/oder soziale Kontakte werden belastet oder gefährdet.
Manische Episoden sind in der Regel seltener und kürzer als depressive Episoden. Sie haben in den allermeisten Fällen depressive Nachschwankungen zur Folge. Diese können lange und schwerwiegend sein. Einerseits ist der Mensch psychisch und körperlich erschöpft, andererseits wird häufig in der depressiven Episode über die Erkrankung und die Folgen der Manie bilanziert. Während der Manie ist bei den Betroffenen in der Regel weder eine Krankheits- noch Behandlungseinsicht gegeben, weshalb der ärztlich-therapeutische Zugang erschwert ist.
Die Diagnose einer manischen Episode ist für einen Arzt in der Regel nicht schwierig. Unterdiagnostiziert sind hingegen hypomane Phasen einer bipolaren Störung. Anzeichen einer Hypomanie sind gesteigerter Antrieb, Ideenreichtum und Ideenflucht, Größenideen und ein hohes Maß an Energie, allerdings in geringerem Umfang als bei einer Manie. Der Betroffene kann sogar arbeitsfähig bleiben, wenngleich er in seinem Umfeld durch sein hohes Energieniveau, evtl. auch Grenzüberschreitungen und durch andere Symptome auffällt. Nicht immer jedoch wird den Episoden ein Krankheitswert zugemessen. Gerade hypomane Phasen werden von den Betroffenen oftmals als „energiereich“ und „kreativ“ anstelle „krank“ empfunden. Ein Behandlungsanliegen besteht kaum. Erst in der depressiven Phase gehen Patienten zum Arzt, berichten jedoch wenig über die hypomanen Phasen, da sie in der Erinnerung nicht als belastend empfunden wurden. Patienten, die manische und depressive Phasen erleiden, werden als bipolar vom Typ I beschrieben. Wenn „nur“ hypomane Episoden anstelle manischer Phasen auftreten, wird die Störung als bipolar Typ II bezeichnet. Die Diagnose dieser Form der bipolaren Störung wird oftmals nicht oder erst spät gestellt, da die Erkrankung selbst von den Patienten meist nicht erkannt wird.

 

1. Stimmungstagebuch zur Abbildung von Stimmungsschwankungen

Für Patienten ist es oftmals schwer, die Stimmungsschwankungen bei einer bipolaren Störung im zeitlichen Verlauf korrekt abzubilden. Hilfreich für eine Behandlung ist hier das Anlegen und Führen eines Stimmungstagesbuches. Hierin wird täglich das Stimmungsbild dokumentiert, bei Bedarf können auch andere Symptome wie Antrieb, Ideenreichtum, Schlafverhalten und Kaufverhalten niedergeschrieben werden. Dies ist nicht nur hilfreich um die Therapie auf die Krankheitsintervalle abzustimmen, sondern auch im Sinne einer Erkennung von Frühwarnzeichen für den Betroffenen und seine Angehörigen selbst.

 

2. Bipolare Störungen und Angehörige

Partner, Freunde und Familie von Patienten mit bipolarer Störung sind oftmals schwer durch die Erkrankung mitbelastet. Es ist deshalb wichtig, dass Angehörige in die Behandlung einbezogen werden, um ein besseres Krankheitsverständnis aufzubauen, aber auch die Symptome und insbesondere Frühwarnzeichen der Erkrankung kennen zu lernen. Oftmals sind es nahestehende Personen, die als erste den Beginn einer bipolaren Erkrankung sehen. Besonders hilfreich ist es, gemeinsame Absprachen im freien Intervall (außerhalb depressiver, hypomaner oder manischer Episoden) zu machen, beispielsweise nach dem Abklingen einer depressiven Episode. Patient, Arzt und Angehörige können dann gemeinsam vereinbaren was zu tun ist, wenn erste Anzeichen einer erneuten Krankheitsphase sichtbar werden. In erster Linie sollte eine rasche Kontaktaufnahme mit einem Arzt erfolgen, um die Medikation anzupassen. Es gibt jedoch auch Verhaltensregeln die sich protektiv auswirken und den Rückfall verhindern oder abmindern können (Verzicht auf Alkohol, Reizabschirmung, Stressvermeiden, geregeltes Schlafverhalten), oder die dem Schutz der Integrität des Patienten dienen (Verzicht auf Käufe, vorübergehende Abgabe von EC- oder Kreditkarten, vorübergehende Kontaktsperre zu Geschäftspartnern u.a.).

Im Rahmen hypomanischer oder manischer Phasen kann auch ein anderes Sexualverhalten, beispielsweise im Sinne einer gesteigerten Sexualität auftreten. Gespräche mit dem (Ehe-)Partner sind auch hier wichtig, um den Regeln im Falle einer erneuten (Hypo-)Manie im Voraus zu besprechen, und ggf. die Vereinbarungen auch schriftlich zu fixieren. Hier handelt es sich nicht um einen juristisch bindenden Vertrag, sondern um eine Absprache, die Verbindlichkeit und Klarheit herstellen soll. Wenn der Patient akut hypomanisch oder manisch ist, sind Störungsbewusstsein und Kritikfähigkeit meist stark reduziert oder gar aufgehoben. Er erinnert sich jedoch oftmals an Absprachen (oder kann diese erneut vorgelegt bekommen). In der depressiven Phase ist der Betroffene oft voller Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, und kann deshalb nicht auf Augenhöhe mitreden. Strategische Entscheidungen mit den betroffenen Menschen sollten deshalb im sogenannten freien Intervall – also außerhalb der Krankheitsepisoden – gefällt werden.

 

3. Prophylaxe von Krankheitsepisoden der bipolaren Störung

Prinzipiell kann eine bipolare Störung nicht einfach geheilt werden. Zeitlebens besteht das Risiko von Rückfällen. Die Wahrscheinlichkeit kann jedoch durch die Lebensführung, angepasste Verhaltensweisen und die medizinische Behandlung, zum Beispiel durch eine sogenannte phasenprophylaktische Medikation, erheblich reduziert werden. Wichtig ist zunächst, dass eine bipolare Störung, insbesondere vom Typ II, auch als solche erkannt und die korrekte Diagnose gestellt wird. Dies hat eine direkte therapeutische Konsequenz, da bipolare Störungen medikamentös etwas anders behandelt werden als unipolare Störungen. Auch muss darauf geachtet werden, dass eine antidepressive Medikation in der depressiven Phase nicht zu einem sogenannten „switch“ führt, also ein Kippen in die Manie bewirkt. Dieses Risiko ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich. Phasenprophylaxe bedeutet nicht, dass der Patient die Medikation spüren oder unter Nebenwirkungen leiden soll. Eine gute Einstellung ist nebenwirkungsarm oder nebenwirkungsfrei, und wird im vollen Einverständnis des aufgeklärten Patienten durchgeführt. Es gibt jedoch auch Verhaltensregeln, welche dazu führen, dass das Risiko erneuter Krankheitsepisoden relevant verringert wird. Ein zuverlässiger und vertraulicher Kontakt zu einem Facharzt und/oder psychologischen Psychotherapeuten, stellenweise auch unter Einbeziehung des Partners, ist deshalb wichtig.

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