ICD-10 F68
Andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
ICD-10 F68 – Andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen verständlich erklärt
Die Klassifikation ICD-10 F68 umfasst andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, die nicht in die spezifischen Kategorien der Persönlichkeitsstörungen (F60–F62) passen. Diese Kategorie dient der Einordnung seltener, atypischer oder ungewöhnlicher Störungsbilder, bei denen bewusstes Vortäuschen, Erzeugen oder Manipulieren von Krankheitssymptomen im Vordergrund stehen – ohne dass dies durch klar erkennbare äußere Vorteile motiviert ist.
Was sind andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen?
Störungen der F68-Kategorie betreffen Verhaltensweisen, bei denen psychische oder körperliche Symptome absichtlich herbeigeführt oder vorgetäuscht werden. Im Gegensatz zu Simulationen mit klarer äußerer Motivation (z. B. finanzielle Vorteile) stehen bei diesen Störungen psychische Bedürfnisse wie das Streben nach Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Fürsorge im Mittelpunkt.
Typische Merkmale
- Absichtliches Vortäuschen oder Herbeiführen von Krankheitssymptomen
- Fehlen eines unmittelbaren äußeren Nutzens (kein Geldgewinn, keine Straferleichterung etc.)
- Hintergrund psychischer Bedürfnisse (z. B. Wunsch nach Zuwendung oder Mitleid)
- Wiederholtes Auftreten des Verhaltens trotz negativer Folgen
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfordert eine sorgfältige differentialdiagnostische Abklärung. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu:
- Simulationsverhalten mit äußerem Nutzen
- Somatoformen Störungen (bei denen die Symptome nicht absichtlich erzeugt werden)
- Psychotischen Störungen
Behandlungsansätze:
- Psychotherapie:
- Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren oder verhaltenstherapeutische Ansätze zur Aufdeckung und Bearbeitung der inneren Konflikte
- Aufbau alternativer Strategien zur Bedürfnisbefriedigung (z. B. Aufmerksamkeit, Anerkennung)
- Förderung der Krankheitseinsicht
- Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren oder verhaltenstherapeutische Ansätze zur Aufdeckung und Bearbeitung der inneren Konflikte
- Beziehungsarbeit und Stabilisierung:
- Entwicklung tragfähiger therapeutischer Beziehungen
- Arbeit an Selbstwert und Selbstbild
- Entwicklung tragfähiger therapeutischer Beziehungen
- Multidisziplinäre Zusammenarbeit:
- Involvierung von Hausärzten, Psychiatern und ggf. Sozialarbeitern zur Koordination der Behandlung und Vermeidung von überflüssigen medizinischen Eingriffen
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Klassifikation der psychischen und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
| ICD-Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| F68.0: Simulation | Bewusstes Vortäuschen psychischer oder körperlicher Symptome mit erkennbarem äußeren Anreiz (z. B. Arbeitsunfähigkeit oder Versicherungsbetrug). Wird häufig als Ausschlussdiagnose bei Verdacht auf vorgetäuschte Erkrankung verwendet. |
| F68.1: Artifizielle Störung (Münchhausen-Syndrom) | Absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von Krankheitssymptomen, um die Rolle des kranken Menschen einzunehmen. Keine äußere Belohnung im klassischen Sinne (z. B. Geld), sondern ein „psychologischer Gewinn“ durch Aufmerksamkeit und Fürsorge. Auch als „Faktitious Disorder“ bezeichnet. Sonderform: Münchhausen-by-Proxy – Erkrankungen werden bei anderen (meist Kindern) herbeigeführt, um selbst als helfende Person wahrgenommen zu werden. |
| F68.8: Sonstige näher bezeichnete Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen | Hierunter fallen seltene oder nicht klar definierte Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen außerhalb der üblichen Kategorien. |
| F68.9: Nicht näher bezeichnete Persönlichkeits- und Verhaltensstörung | Diagnoseplatzhalter für unklare Fälle, bei denen eine genauere Einordnung noch nicht möglich ist. |
Fazit
Die ICD-10-Kategorie F68 beschreibt Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, bei denen das absichtliche Vortäuschen oder Erzeugen von Krankheitssymptomen im Vordergrund steht – meist aus psychischen Motiven und ohne offensichtliche äußere Vorteile. Besonders das Münchhausen-Syndrom fällt in diesen Bereich. Mit einer gezielten psychotherapeutischen Behandlung können die zugrunde liegenden psychischen Konflikte bearbeitet und alternative Bewältigungsstrategien entwickelt werden.