Yoga bei psychischen Erkrankungen | Klinik Friedenweiler
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Yoga als Therapie bei psychischen Erkrankungen

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Ursprünglich eine indische philosophische Lehre, die verschiedene körperliche und geistige Übungen beinhaltet, ist Yoga besonders in den letzten Jahrzehnten auch hier in Europa und anderen Kontinenten bekannt und immer beliebter geworden. Besonders in den letzten 15 Jahren wurde Yoga zudem wissenschaftlich in Bezug auf die Wirksamkeit bei psychischen Störungen untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass regelmäßiges Yoga insbesondere die subjektiv empfundene Lebensqualität verbessern und Wohlbefinden steigern kann. Außerdem reduziert Yoga bei einer Vielzahl psychischer Erkrankungen, vor allem bei leichten Störungen, effektiv Symptome. Yoga bietet somit als ergänzende Therapie neben Psychopharmaka und Psychotherapie einen vielversprechenden Ansatz in der Therapie psychischer Erkrankungen.
 

1. Was genau ist Yoga?

 

Die ersten Hinweise auf typische Elemente des Yoga lassen sich bereits 700 v. Chr. bei den älteren Upanishaden (eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda) finden. In den folgenden Jahrhunderten bis zur Gegenwart entwickelten sich zahlreiche verschiedene Arten von Yoga, sodass die Beantwortung der Frage nicht ganz so leicht ist. Letztendlich verfolgen alle Yoga-Praktiken heute einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden sollen. Eine gesteigerte Vitalität sowie eine innere Haltung der Gelassenheit sind das Ziel.

In der Praxis setzt sich Yoga heutzutage aus Körperhaltungen (Sanskrit: Asanas), Bewegungsabläufen, Atemführung (Sanskrit: Pranayama) und manchmal auch Meditation und Mantras (Meditationsworte oder Klangsilben) zusammen. In Europa und Nordamerika wird Yoga hauptsächlich ohne Anbindung an die ursprünglich spirituelle Basis gelehrt, sondern als Bewegungstherapie mit Fokus auf die gesundheitsfördernden Effekte praktiziert.
 

2. Bei welchen psychischen Erkrankungen kann Yoga helfen?

 

Allgemein hat man herausgefunden, dass Yoga, unabhängig von der Art der psychischen Erkrankung, Wohlbefinden und Lebensqualität steigern kann. Es gibt außerdem Hinweise, dass die Schwere der Erkrankung eine Rolle für die Wirksamkeit von Yoga spielt: Patienten mit geringer Symptomausprägung profitieren mehr von Yoga als stärker Beeinträchtigte.

Am besten wurde die Wirkung von Yoga bei Depression untersucht. Bei leichten depressiven Störungen scheint Yoga die Symptome kurzfristig effektiv reduzieren zu können, wohingegen der positive Effekt bei schwereren depressiven Erkrankungen nicht eindeutig belegt werden konnte. Bezüglich der Dosis gibt es Hinweise, dass das Praktizieren von Yoga bereits 3 Mal pro Woche ausreichen würde, um depressive Symptome zu verbessern.
 

2.1 Yoga bei Posttraumatischen Belastungsstörungen

Zur Behandlung von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wurde speziell für chronisch-behandlungsresistente und komplexe PTBS Traumasensitives Yoga (TSTCY) entwickelt, für das in einer randomisierten kontrollierten Studie, dem Gold-Standard für wissenschaftliche Forschungen, eine Verbesserung der Symptomatik nachgewiesen werden konnte. Andere Studien gleicher Art fanden hingegen keine signifikanten Ergebnisse oder sind nicht eindeutig, weswegen keine definitiven Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit von Yoga bei PTBS gezogen werden können. Yoga könnte jedoch auch bei PTBS ein vielversprechender komplementärer Therapieansatz, also ergänzend zu Pharmakotherapie und Psychotherapie, sein.
 

2.2 Yoga bei Angststörungen

Bei Angststörungen gibt es Hinweise auf die positive Wirksamkeit von Yoga zur Reduktion der Angstsymptomatik, allerdings gibt es bisher nur wenige gute Studien spezifisch für dieses Erkrankungsbild.

2.3 Yoga bei Psychosen

Auch zur Wirksamkeit von Yoga bei Psychosen wurde geforscht, jedoch gibt es leider auch hier zu wenig vergleichbare Studien, um eindeutige Schlüsse zu ziehen. Zumindest die subjektiv empfundene Lebensqualität und das soziale Funktionsniveau bei regelmäßig praktiziertem Yoga steigen, und es gibt Hinweise für störungsspezifische positive Effekte. Außerdem scheint Yoga gegenüber Sport oder anderen Formen der Bewegungstherapie sowie gegenüber der Standardbehandlung einen leichten Vorteil in Bezug auf die Wirksamkeit bei Schizophrenie zu haben. Allerdings stehen bei akut psychotischen Patienten andere Behandlungsmethoden ganz klar im Vordergrund.
 

3. Was muss bei dem Einsatz von Yoga als Therapie bei psychischen Erkrankungen beachtet werden?

 

Verletzungen oder unerwünschte Ereignisse treten bei Yoga nachgewiesenermaßen nicht häufiger auf als bei anderen Sportarten oder bei Personen ohne vergleichbare Intervention. Die körperlichen Risiken werden wissenschaftlich als vergleichbar mit denen von Nicht-Yoga-Praktizierenden gesehen. Somit kann Yoga bei Gesunden als sicher und nebenwirkungsarm gelten. Allerdings sollte Yoga wie jede andere Art körperlicher Betätigung im Rahmen der eigenen körperlichen Möglichkeiten und nicht kompetitiv, sondern achtsam im Bewusstsein der eigenen Grenzen ausgeübt werden. Fortgeschrittene Übungen wie der Kopfstand oder Lotussitz sollten am Anfang vermieden werden.

Bei körperlichen Erkrankungen oder Einschränkungen sowie bei einer Schwangerschaft sollte immer eine Rücksprache mit dem Arzt/ der Ärztin und/ oder der Anleiter*in erfolgen. In Bezug auf psychische Erkrankungen sollte bei bipolaren und psychotischen Störungen aufgepasst werden, denn extreme Praktiken wie schnelle Atmung oder lang andauernde Meditationen können hier zu einer Symptomverschlechterung führen.
 

4. Fazit

 

Yoga kann störungsspezifische Symptome reduzieren und insbesondere Wohlbefinden und Lebensqualität steigern. Des Weiteren gibt es vielversprechende Hinweise auf eine stressreduzierende Wirkung von Yoga. Somit kann Yoga als sinnvolle, ergänzende Therapiemaßnahme bei psychischen Erkrankungen gesehen werden. Insbesondere bei geringer Erkrankungsschwere scheint Yoga gute Effekte erzielen zu können, bei starker Beeinträchtigung scheint Yoga hingegen weniger Wirkung zu zeigen. Die wissenschaftliche Forschung spricht für ein gutes Nutzen-Risiko-Profil, das heißt, der potenzielle Nutzen von Yoga ist sehr viel größer als das Risiko. Grundsätzlich sollten immer individuell Risiken abgeklärt und Yoga-Stil und -lehrer mit Sorgfalt ausgewählt werden.

Die Art des Yogastils scheint für die Effektivität allerdings keine Rolle zu spielen und ist somit nur eine Frage der persönlichen Vorliebe. Aktuell kann Yoga nicht als Heilmittel verordnet werden, zertifizierte Kurse in örtlichen Yogastudios werden jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen in unterschiedlicher Höhe bezuschusst. In unserer Klinik bieten wir den Patient*innen wöchentlich körperorientiertes Yoga im Stil des Hatha-Yoga an, das von erfahrenen Therapeut*innen angeleitet wird, immer unter Berücksichtigung individueller Vorkenntnisse sowie des körperlichen und psychischen gegenwärtigen Zustands.

Das Anbieten von Yoga als körperorientierte Therapie ist Teil unseres integrativen Behandlungskonzeptes. Psyche und Körper sind untrennbar miteinander verbunden, und indem wir unser Therapieangebot ganzheitlich ausrichten versuchen wir so, Gedanken, Gefühle, Körper und Handeln harmonisch in Einklang zu bringen.

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