Wie entsteht eine Zwangsstörung? | Klinik Friedenweiler
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21Aug

Wie entsteht eine Zwangsstörung?

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1. Was ist eine Zwangsstörung?

Eine Zwangsstörung ist eine Erkrankung, bei der Zwangsgedanken und Zwangsimpulse auftreten. Diese Gedanken kommen dem Menschen zwar in ihrer Form übertrieben und bisweilen sogar unsinnig vor, und führen zu einem hohen inneren Druck und zu Angst. Dieser Druck kann durch das Durchführen einer Zwangshandlung reduziert werden. Folge sind Rituale wie zum Beispiel Aufräumen, Kontrollieren oder Waschen, welche bei Fortschreiten der Zwangsstörung einen großen Zeitraum (viele Stunden pro Tag) einnehmen können, und das Leben des Erkrankten maßgeblich beeinflussen. Zwangsgedanken können auch bei anderen Erkrankungen auftreten (zum Beispiel in Form von Befürchtungen und Angst, Fehler gemacht zu haben oder dass etwas Schlimmes passieren könne). Zwangsgedanken sind also zunächst ein Symptom und können auch bei einer Depression oder Angststörung auftreten.

 

2. Wie äußert sich eine Zwangsstörung?

Die Inhalte einer Zwangsstörung können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Klassische Inhalte für Zwangsgedanken sind jedoch Reinlichkeit (Angst, dass Dinge oder man selbst verschmutzt sein könnte), Zählzwang oder Wiederholungszwang, Kontrollzwang, zwanghafte Befürchtungen und aggressive Zwangsgedanken (wie zum Beispiel die Angst, man könne nahestehenden Personen durch eigene Aggression schaden), religiöse oder sexuelle Themen. Die entsprechenden Gedanken sind für den betroffenen Patienten nie angenehm, sondern werden als störende, oft zeitraubende und übertriebene Gedanken erlebt. In fortgeschrittenen Fällen fällt es Patienten mit Zwangsstörungen immer schwerer, sich von den Inhalten der Zwangsgedanken abzugrenzen, diese können dann als durchaus der Persönlichkeit zugehörige Gedanken empfunden werden.

 

3. Was sind die Ursachen für eine Zwangsstörung? Wie entwickelt sie sich?

Es lassen sich zwei Ursachen bei der Entstehung einer Zwangsstörung identifizieren: Die Genetik und die Lerngeschichte eines Betroffenen. Die Genetik macht hierbei etwa 30% der Ursachen aus, wohingegen die Lerngeschichte für die übrigen etwa 70% der Ursachen verantwortlich ist. Dies bedeutet, dass bei einem von Zwangsstörungen betroffenem Patienten fast immer beide Ursachen zum Tragen kommen, also einer Mischung aus „genetischer Disposition“, also die genetische Ausstattung, die ein Mensch von Geburt an in sich trägt und lerngeschichtlicher Entwicklung, also Erziehung, frühkindliche Entwicklung, Erlebnisse. Die Genetik kann unter anderem durch eine familiäre Häufung der Zwangsstörung und Studien mit getrennt aufwachsenden eineiigen Zwillingen wissenschaftlich belegt werden. Man geht zudem in der Wissenschaft auch davon aus, dass betroffene Menschen mit Zwangsstörungen neben der aufgezeigten Genetik diese auch aufgrund mehrerer lerngeschichtlicher Ursachen entwickeln, nicht nur eines einzelnen Ereignisses. Zwänge sind somit meist auf mehrere und unterschiedliche Ursachen zurück zu führen. Einige Menschen können relativ klar eine einzige Ursache für ihre Zwangsstörung ausmachen und den Zwangsgedanken zuordnen. Egal wie nachvollziehbar diese Zwangsgedanken sein mögen (z.B. „Ich habe mich aus Ekel angefangen zu waschen, nachdem ich vergewaltigt worden bin.“, „Ich habe Angst dass etwas Schlimmes passiert, wenn ich nicht alles ganz genau kontrolliere.“), reagieren andere Menschen in ähnlichen Situationen doch ganz unterschiedlich auf die Gedanken. Dies bedeutet, dass auch andere Ursachen vorhanden sein müssen. Diese Ursachen gilt es nun herauszufinden.

Innerhalb der frühen Lerngeschichte können verschiedene Problembereiche für die Entwicklung einer Zwangsstörung mitverantwortlich sein. So sind Formen der Erziehung, wie zum Beispiel eine extreme Sauberkeitserziehung, in einer bestimmten Entwicklungsphase bereits von Sigmund Freud als mitverantwortlich für die Zwangsstörung benannt worden. Hoher Leistungsanspruch, eine starke Überbehütung des Kindes, und das Vorleben ritualisierter und rigider Abläufe sind weitere Erziehungsstile, welche die Entstehung einer Zwangsstörung fördern können. Die Erziehung hat somit einen großen Einfluss auf das Erleben, die Gedanken und die Handlung von Menschen. Aber auch das Erleben von schrecklichen Situationen im ganzen Lebenslauf kann einen erheblichen Einfluss haben. Traumata sind Erlebnisse außerhalb unserer Erfahrung und oft Vorstellungskraft. Sie verunsichern Menschen zutiefst und verursachen existenzielle Angst. Auch Verluste wie der Tod eines geliebten Menschen oder Tieres, Stress und zwischenmenschliche Konflikte können relevante Auslöser für Zwänge und die dazugehörigen Gedanken sein. Ein Mangel an Selbstwert und überstarke moralische und ethische Vorstellungen können Zwänge mit hervorrufen. Moralische Werte können sich zum Beispiel in Religiosität aber auch anderen Anschauungen äußern. Gemeinsam sind hier recht starre Normen und Vorstellungen, die dem Betroffenen wenig Spielraum in seinen Gedanken und seinem Handeln lassen. Umgekehrt kann man sagen, dass Flexibilität der Feind der Zwangsstörung ist.

 

4. Was sind Begleitsymptome für eine Zwangsstörung?

Menschen mit einer Zwangsstörung berichten zudem von Schwierigkeiten auch außerhalb des Zwanges mit unangenehmen Gefühlen umgehen zu können. Schuld, Wertlosigkeit, Scham und Angst sind solche Gefühle. Zwänge können helfen diese Gefühle zu reduzieren oder ihnen aus dem Wege zu gehen, und Angst zu vermeiden. Kurzfristig wird der Patient also durch die Durchführung des Zwangsrituals „belohnt“, da die innere Unruhe, Anspannung und Angst kurzfristig nachlassen.

Hinzu kommen in der Lerngeschichte die Persönlichkeitsfaktoren, die zum Teil angeboren, zum größten Teil jedoch in der Kindheit entstehen. Selbstunsicherheit, eine Neigung zum Katastrophendenken, hohe moralische Standards, eine übermäßige Angst vor Ablehnung und starke Selbstzweifel sind Gedanken, die zu diesen Persönlichkeitsfaktoren gehören und die eine Zwangsstörung mitverantworten können.

 

5. Was sind die neurologischen Ursachen für eine Zwangsstörung?

Die Genetik und die Lerngeschichte eines Betroffenen bilden sich in dessen Neurobiologie ab, also der Funktionsweise und ggf. auch Störung des Gehirns. Beide haben somit Einfluss auf unser Denken, Handeln und Tun. Betrachtet wird immer das Ergebnis aus diesen verschiedenen Ursachen. Daher ist bei der Zwangsstörung eine genaue Einordnung in ein Botenstoffsystem oder einen einzelnen neuronalen Kreislauf auch deshalb nahezu unmöglich. Als wichtigster Botenstoff im Gehirn wird das Serotonin benannt, welches auch in einer möglichen Medikation in der Behandlung von Zwangserkrankungen beeinflusst werden soll. Mit sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) versucht man, den Botenstoff Serotonin im Gehirn vermehrt zur Verfügung zu stellen. Es wird jedoch kein Serotonin hinzugefügt, um die Zwangsstörungen zu beeinflussen.

Man geht heute davon aus, dass Zwänge nicht nur auf eine Gehirnregion zurückzuführen sind. Vielmehr ist nach dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand anzunehmen, dass eine Zwangsstörung sich in sogenannten Regelschleifen zwischen verschiedenen Gehirnregionen zeigt. Das Handeln und die Gedanken eines Menschen sind erst im Zusammenspiel verschiedener Gehirnbereiche möglich. Ist dieser Kreislauf gestört, kann es zu Zwangsstörungen oder anderen Problemen kommen. Bei der Zwangsstörung sind die Bereiche Frontalhirn, Basalganglien (Striatum) und Thalamus (zentralen Strukturen des Stammhirns) zu nennen.

 

6. Kann eine Zwangsstörung behandelt werden?

Anders als von vielen Betroffenen erlebt, kann eine Zwangsstörung psychotherapeutisch sehr gut behandelt werden, wichtig ist jedoch, dass der behandelnde Arzt oder Psychologe die Therapie der Zwangsstörung gut kennt und entsprechende Erfahrung hat. Sowohl die Leitlinien der Fachgesellschaften als auch die Erfahrung von Ärzten, die intensiv mit Patienten mit Zwangsstörung arbeiten, zeigt, dass die Kombination aus mehreren therapeutischen Verfahren die besten therapeutischen Ergebnisse verspricht.

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