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Wenn der Körper spricht – Somatoforme Störungen und Körper-Psyche-Interaktionen bei Erwachsenen

Frau sitzt erschöpft auf dem Sofa und hält sich die Stirn

Verstehen, was hinter körperlichen Beschwerden steckt

Was sind somatoforme Störungen?

Somatoforme Störungen gehören zu den sogenannten psychosomatischen Erkrankungen – also Störungen, bei denen seelische Belastungen körperliche Symptome auslösen oder verstärken. Typisch ist, dass Betroffene körperliche Beschwerden verspüren, für die sich medizinisch keine ausreichende organische Ursache finden lässt. Diese Beschwerden sind real und oft stark beeinträchtigend, auch wenn sie keine körperliche Erkrankung im klassischen Sinn widerspiegeln.

Häufige Symptome somatoformer Störungen können sein:

  • anhaltende Schmerzen (z. B. Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen)
  • Magen-Darm-Probleme ohne Befund
  • Herzklopfen oder Atembeschwerden
  • Schwindel, Taubheitsgefühle oder Erschöpfung
  • Schlafstörungen und allgemeine Schwäche

Viele Patient*innen durchlaufen zunächst zahlreiche medizinische Untersuchungen, bevor erkannt wird, dass die Ursachen psychischer oder emotionaler Natur sein können. Der Körper wird sozusagen zum Sprachrohr der Seele, wenn innere Konflikte oder Belastungen keinen anderen Ausdruck finden.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind jährlich rund 27,8 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen – das entspricht etwa 17,8 Millionen Menschen. Diese Zahl verdeutlicht, wie häufig psychische Belastungen vorkommen und wie eng sie mit körperlichen Symptomen verknüpft sein können.

Somatoforme Störungen treten häufig im Zusammenhang mit Stress, unverarbeiteten Konflikten oder Überforderung auf. Die Beschwerden sind dabei keineswegs „eingebildet“, sondern ein Ausdruck der engen Körper-Psyche-Interaktion, die in der modernen Psychosomatik zunehmend Beachtung findet.

Wie Körper und Psyche miteinander kommunizieren (Körper-Psyche-Interaktion)

Unser Körper reagiert empfindlich auf seelische Belastungen. Stress, Ängste, ungelöste Konflikte oder anhaltende Überforderung wirken sich direkt auf das vegetative Nervensystem, den Hormonhaushalt und das Immunsystem aus. Dadurch entstehen körperliche Reaktionen, die sich wie klassische Krankheitssymptome anfühlen können.

Beispiele:

  • Stress aktiviert das sympathische Nervensystem – Herzschlag und Blutdruck steigen, die Muskulatur spannt sich an, die Verdauung verlangsamt sich.
  • Angst oder Trauer können zu Engegefühlen in der Brust, Atembeschwerden oder Herzklopfen führen.
  • Dauerhafte emotionale Anspannung begünstigt Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen sowie Magen-Darm-Probleme.

Diese Wechselwirkungen nennt man Körper-Psyche-Interaktionen. Sie sind ein normaler Bestandteil menschlicher Reaktionen – erst wenn sie chronisch werden oder das Leben stark beeinträchtigen, entwickeln sich daraus psychosomatische Beschwerden.

In der Psychosomatik wird deshalb nicht nur der Körper behandelt, sondern der Mensch als Ganzes betrachtet: mit seinen Gefühlen, Gedanken, sozialen Beziehungen und körperlichen Empfindungen.

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Ursachen und Mechanismen der Körper-Psyche-Interaktion

Stress, Emotionen und ihre körperlichen Auswirkungen

Stress zählt zu den häufigsten Auslösern somatoformer Störungen. Wenn Belastungen über längere Zeit bestehen, reagiert der Körper mit einer dauerhaften Aktivierung des Stresssystems. Dadurch werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Kurzfristig helfen sie, Herausforderungen zu bewältigen – langfristig jedoch belasten sie Herz-Kreislauf-System, Verdauung und Immunsystem.

Chronischer Stress kann zu Stresssymptome führen. Jetzt mehr lesen! 

Der Einfluss früherer Lebenserfahrungen

Nicht nur aktuelle Belastungen, auch frühkindliche Erlebnisse und Bindungserfahrungen prägen, wie stark jemand auf Stress reagiert. Menschen, die in ihrer Kindheit wiederholt Angst, Zurückweisung oder Hilflosigkeit erfahren haben, entwickeln oft ein empfindlicheres Stresssystem. Ihr Körper reagiert schneller mit körperlichen Symptomen, wenn emotionale Belastungen auftreten.

Ebenso spielen erlernte Verhaltensmuster eine Rolle: Wer in seiner Familie gelernt hat, Belastung vor allem körperlich auszudrücken („mir tut der Bauch weh“ statt „ich bin traurig“), neigt später stärker zu psychosomatischen Beschwerden.

Neurobiologische Zusammenhänge

Die Forschung zeigt heute deutlich, dass Körper und Psyche über vielfältige biologische Systeme miteinander verbunden sind. Wichtige Kommunikationswege sind:

  • Das vegetative Nervensystem: Es reguliert unbewusst Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung – und reagiert empfindlich auf emotionale Zustände.
  • Das Hormonsystem: Über die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol beeinflussen seelische Belastungen den Stoffwechsel und die Immunabwehr.
  • Das Immunsystem: Emotionale Dauerbelastung kann Entzündungsprozesse fördern und körperliche Beschwerden verstärken.

Diese enge Verflechtung wird in der Psychoneuroimmunologie erforscht – einem Fachgebiet, das die wechselseitigen Einflüsse zwischen Gehirn, Nerven, Hormonen und Immunzellen untersucht.

Psychosoziale Verstärkung und Wahrnehmungsfokus

Lebensübergänge fordern Ihre innere Stabilität häufig besonders heraus. Gerade in Umbruchphasen entsteht ein emotionales Spannungsfeld zwischen Unsicherheit, Hoffnung, Loslassen und Neubeginn. Um diese Gefühle nicht als belastend, sondern als natürliche Reaktionen zu verstehen, ist eine bewusste emotionale Selbstregulation entscheidend.
Dies beinhaltet, Emotionen klar zu benennen, zu akzeptieren und angemessen zu verarbeiten, statt sie zu verdrängen. Therapeutische Methoden wie Atemtechniken, Achtsamkeit oder das Führen eines Stimmungstagebuchs helfen Patient*innen, innere Reaktionen besser einzuordnen und Schritt für Schritt zu mehr Ruhe und Klarheit zurückzufinden.

Diagnose und Herausforderungen in der Praxis

Ab wann spricht man von einer somatoformen Störung?

Nicht jede körperliche Beschwerde ohne eindeutigen Befund gilt sofort als somatoforme Störung. Entscheidend ist, wie lange und wie stark die Symptome anhalten – und ob sie das Leben der Betroffenen deutlich beeinträchtigen.

Mediziner*innen sprechen von einer somatoformen Störung, wenn folgende Merkmale über einen längeren Zeitraum bestehen:

  • wiederkehrende oder dauerhafte körperliche Symptome ohne ausreichende organische Erklärung,
  • erheblicher Leidensdruck oder Einschränkungen im Alltag,
  • häufige Arztbesuche oder intensive Sorge um die eigene Gesundheit,
  • das Bedürfnis, immer neue Untersuchungen durchführen zu lassen, obwohl bisher keine körperliche Ursache gefunden wurde.

Der Diagnoseprozess erfordert daher ein sensibles Vorgehen. Ärzt*innen und Therapeut*innen müssen sorgfältig abwägen, ob körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können, bevor sie eine psychosomatische oder somatoforme Störung in Betracht ziehen.

Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zu körperlichen Erkrankungen

Die Diagnose somatoformer Störungen ist häufig eine große Herausforderung – sowohl für Betroffene als auch für behandelnde Fachkräfte. Einerseits besteht die Sorge, eine körperliche Erkrankung zu übersehen. Andererseits kann eine zu starke Fokussierung auf medizinische Untersuchungen dazu führen, dass die psychischen Hintergründe übersehen werden.

Besonders schwierig ist die Abgrenzung, wenn psychische und körperliche Faktoren gleichzeitig auftreten, etwa bei Reizdarm, chronischen Schmerzen oder Herzbeschwerden ohne organische Ursache. Viele dieser Krankheitsbilder liegen im sogenannten „Graubereich zwischen Körper und Psyche“, in dem beides untrennbar miteinander verwoben ist.

In der Praxis hat sich deshalb ein interdisziplinärer Ansatz bewährt: Hausärzt*innen, Psychotherapeut*innen und Fachärzt*innen arbeiten gemeinsam daran, die Beschwerden zu verstehen und zu behandeln. Dabei geht es nie darum, Symptome „einzubilden“ oder „wegzudenken“, sondern darum, ihre ganzheitlichen Ursachen zu erkennen und zu behandeln.

Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne persönlich!

Leben mit somatoformen Störungen – Wege zu mehr Selbstfürsorge und Stabilität

Somatoforme Störungen lassen sich erfolgreich behandeln – doch entscheidend für die langfristige Stabilität ist, wie Patient*innen im Alltag mit sich selbst umgehen. Nach einer Therapiephase beginnt oft die eigentliche Herausforderung: das Erlernte in den eigenen Lebenskontext zu integrieren und die Verbindung zwischen Körper und Psyche bewusst zu pflegen.

Selbstfürsorge im Alltag

Selbstfürsorge bedeutet, die eigenen Grenzen zu respektieren und aktiv für körperliches wie seelisches Wohlbefinden zu sorgen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Entspannungsphasen: Atemübungen, Yoga oder Spaziergänge fördern das innere Gleichgewicht.
  • Bewusster Umgang mit Belastungen: Stress frühzeitig erkennen und Pausen einplanen, bevor Überforderung entsteht.
  • Achtsamer Lebensstil: Auf ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung achten – nicht als Pflicht, sondern als Form von Selbstrespekt.

Wer Selbstfürsorge ernst nimmt, stärkt seine innere Stabilität und beugt Rückfällen vor.

Umgang mit Rückfällen und Rückschlägen

Phasen, in denen Symptome erneut auftreten, sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil des Heilungsprozesses. Wichtig ist, solche Rückschläge frühzeitig zu erkennen und liebevoll damit umzugehen.
Hilfreich ist es, sich zu fragen:

  • Was hat mich gerade überfordert?
  • Welche Gefühle oder Gedanken stehen hinter den körperlichen Signalen?
  • Welche Strategien haben mir in der Vergangenheit geholfen?

Mit dieser Haltung wird die Krankheit nicht mehr als Feind, sondern als Hinweis auf innere Ungleichgewichte verstanden – ein Perspektivwechsel, der heilsam wirken kann.

Unterstützung durch das soziales Umfeld

Auch Angehörige und Freund*innen spielen eine zentrale Rolle im Umgang mit psychosomatischen Beschwerden. Offene Kommunikation, Verständnis und gemeinsame Aktivitäten können entlastend wirken. Gleichzeitig ist es wichtig, Grenzen zu setzen und sich selbst nicht zu überfordern.

Ein stabiles soziales Umfeld, kombiniert mit Achtsamkeit und Selbstmitgefühl, kann entscheidend dazu beitragen, die Balance zwischen Körper und Psyche langfristig zu bewahren.

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Behandlungsmethoden in der Klinik Friedenweiler

In der Klinik Friedenweiler steht die ganzheitliche Behandlung von Patient*innen mit somatoformen Störungen und psychosomatischen Beschwerden im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Körper und Psyche wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die zugrunde liegenden seelischen Belastungen zu verstehen.

Zentrale Behandlungsansätze:

  • Psychotherapie: In Einzel- und Gruppengesprächen werden seelische Ursachen körperlicher Symptome erarbeitet. Methoden wie Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie und achtsamkeitsbasierte Verfahren helfen, belastende Denkmuster zu verändern.
  • Körperorientierte Therapie: Durch gezielte Körperübungen, Atemarbeit und Wahrnehmungsschulung wird die Verbindung zwischen Körper und Psyche gestärkt. Patient*innen lernen, Körpersignale besser zu verstehen.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung, Atemtherapie oder Meditation helfen, innere Spannungen zu lösen und das vegetative Nervensystem zu beruhigen.
  • Kreativtherapie: In Musik- oder Kunsttherapie können Emotionen nonverbal Ausdruck finden – ein wichtiger Zugang zu inneren Konflikten.
  • Bewegungstherapie: Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt stimmungsaufhellend, fördert das Körperbewusstsein und unterstützt den Stressabbau.
  • Achtsamkeitstraining: Durch bewusste Selbstwahrnehmung und Akzeptanz innerer Prozesse wird der Umgang mit Beschwerden verbessert und Selbstfürsorge gestärkt.

Das therapeutische Team der Klinik Friedenweiler arbeitet interdisziplinär – Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Pflege- und Kreativtherapeut*innen stimmen ihre Behandlungsschritte eng aufeinander ab. So entsteht ein individuelles, wirksames Behandlungskonzept, das Körper und Seele gleichermaßen anspricht und Patient*innen dabei unterstützt, zu innerer Ruhe und körperlichem Wohlbefinden zurückzufinden.

Kontaktieren Sie uns jederzeit gerne!

FAQ

Welche Rolle spielen Schlaf und Bewegung bei somatoformen Störungen?

Schlaf und Bewegung haben einen direkten Einfluss auf die körperliche und seelische Regeneration. Ausreichender, erholsamer Schlaf unterstützt die Regulation des Nervensystems und hilft, Stressreaktionen zu reduzieren. Bewegung – insbesondere in moderater Form wie Spazierengehen, Yoga oder Schwimmen – wirkt entspannend, fördert die Durchblutung und stärkt das Körperbewusstsein. Beides sind zentrale Bausteine, um psychosomatische Beschwerden langfristig zu lindern.

Wie können Angehörige Betroffene mit psychosomatischen Beschwerden unterstützen?

Angehörige können eine wertvolle Stütze sein, indem sie Verständnis zeigen, ohne die Symptome zu bewerten oder zu hinterfragen. Hilfreich ist es, gemeinsam nach Wegen zu suchen, Stress zu reduzieren und Gespräche über Gefühle und Belastungen zu ermöglichen. Wichtig ist jedoch, die Eigenverantwortung der betroffenen Person zu respektieren und professionelle Hilfe zu ermutigen, wenn die Beschwerden über längere Zeit bestehen.

Gibt es Rückfallrisiken bei somatoformen Störungen?

Ja, Rückfälle sind möglich, insbesondere in Phasen erhöhter Belastung oder emotionaler Krisen. Entscheidend ist, wie Betroffene gelernt haben, mit Stress, Konflikten und Körpersignalen umzugehen. Eine regelmäßige Fortführung von Entspannungsübungen, achtsamkeitsbasierten Methoden oder begleitender Psychotherapie kann Rückfällen vorbeugen und langfristige Stabilität fördern.

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