Resilienz – wie mit dem Coronavirus umgehen?

Zur Bewältigung der Corona Krise wurden Maßnahmen getroffen, die Menschen in allen Lebensbereichen erheblich beeinträchtigen. Eine derartige Ausnahmesituation haben die wenigsten Menschen bislang erlebt.

Für die allermeisten stellen die Quarantänemaßnahmen eine relevante Stresssituation dar. Die individuelle Reaktion und die damit einhergehenden Folgen auf die menschliche Psyche sind individuell und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

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Was hat sich durch das Coronavirus geändert?

In Zeiten der Corona Krise fehlen den Menschen Alltagsroutinen. Soziale und auch körperliche Kontakte zu anderen müssen eingestellt werden. Die eigenen Ziele sind schwerer zu erreichen, wertvolle Ressourcen wie Sport, Veranstaltungen und Zusammenkünfte sind kaum mehr möglich. In der Summe nehmen die Stressoren, also innere und äußere Reize, die Stress in uns auslösen, zu.

Alleinstehende leiden vermehrt unter der Einsamkeit, Paare unter fehlenden Ausweichmöglichkeiten, es gibt Hinweise auf eine deutliche Zunahme häuslicher Gewalt und eine Abnahme sozialer Kontrollmechanismen. Hinzu kommen Ängste um die finanzielle Zukunft, aber auch die körperliche Integrität, vor allem bei älteren Menschen sowie bei Menschen mit Vorerkrankungen.

Was sind die psychischen Folgen von Covid-19 und den Isolationsmaßnahmen?

Viele Menschen werden traurig und nervös. Zwar gibt es auch Menschen, die erleichtert sind, dass sie sich zurückziehen können, der Großteil der Bevölkerung leidet jedoch unter den Folgen der Pandemie und unter den Restriktionen, die durch die Quarantäne und Beschränkungen auferlegt werden.

Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung psychischer Leiden ist die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung, also die innere Überzeugung, einer Krise Herr zu werden. Viele Menschen leiden aktuell darunter, die Situation nicht oder nur bedingt ändern oder beeinflussen zu können. Besonders gefährdet sind nun Menschen, die sich hilflos fühlen und die Zuversicht in sich und die Umwelt verlieren.

Corona kann je nach Veranlagung (Disposition) verschiedene psychische Leiden zum Ausbruch bringen.

Die individuelle Reaktion auf Krisen variiert von Mensch zu Mensch ganz erheblich. Ob sich psychische Folgen entwickeln und wie diese aussehen, hängt deshalb sowohl vom Individuum ab wie auch von dem Stressor. Es gibt also nicht „die“ psychische Reaktion auf die Corona Krise, sondern die individuelle Reaktion eines jeden einzelnen. Während manche Menschen unbeschadet oder gar gestärkt aus einer Krise herauskommen, entwickeln andere Symptome, die entsprechend ihrer Verletzbarkeit, auch Vulnerabilität genannt, entstehen.

Die Widerstandskraft auf Stressoren und somit das Gegenteil der Vulnerabilität wird auch als Resilienz bezeichnet.

Wie am besten mit der Corona Krise umgehen?

Resilienz als entscheidender Faktor zum Umgang mit Krisen

Was ist Resilienz? Resilienz bezeichnet die individuelle Widerstandsfähigkeit und somit die Möglichkeit, als Mensch auf Krisen zu reagieren. Dabei bedeutet Resilienz nicht nur das Vorhandensein innerer Faktoren, sondern auch die Antwort und den Umgang mit externen Faktoren und Stressoren.

Entscheidend ist beispielsweise, welche Persönlichkeit ein Mensch in seinem Leben entwickelt hat und welche Strategien im Laufe des Lebens auf Krisen entwickelt wurden. Frühere Krisen müssen hierbei nicht von Nachteil sein. Wer erfolgreich persönliche Krisen gemeistert hat, konnte vielleicht wertvolle Strategien im Umgang mit Stressoren entwickeln, die jetzt hilfreich sind. Wer in Krisen immer geschützt wurde, hatte vielleicht gar nicht die Chance, einen eigenverantwortlichen Umgang mit Krisen zu erlernen. Wer in Krisen keinen Ausweg finden konnte, erlebte vielleicht eine Hilflosigkeit, die sich heute in der Krise wiederholt.

Diese gefühlte Hilfslosigkeit hat einen großen Einfluss auf den Glauben in die Wirksamkeit des eigenen Handelns, die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung („ich schaffe das!“). Diese ist ein wichtiger Prädiktor, um abzuschätzen, wie gut und sicher Menschen durch eine Krise hindurch gehen können. Aber auch auf Menschen, die bislang gesund waren, kann eine Krise dieses Ausmaßes und derartiger Größe eine erhebliche negative Wirkung haben.

Das Problem ist: Niemand kennt genau seine Resilienz, wir erfahren sie meist erst in kritischen Situationen.

Welche aktuellen Stressoren gibt es durch die Corona Krise?

Die aktuellen Stressoren in Zeiten der Corona Krise sind vielfältig: Stabilitätsfaktoren werden entzogen, stützende soziale Kontakte werden erschwert, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit drohen, die eigene Verantwortung steigt, während die Planungssicherheit sinkt, Ängste und Verunsicherung nehmen zu. Viele fühlen sich ausgeliefert und erleben einen Kontrollverlust. Die Probleme erscheinen übermächtig und unlösbar. Oft kommt es zu Schlafstörungen, einem Vorboten vieler psychischer Belastungen, aber auch zu einem Verlust der Tagesstruktur wegen fehlender Arbeits- und Alltagsroutinen.

Konfliktbehaftete Situationen im häuslichen Umfeld nehmen wegen fehlender Ausweichmöglichkeiten zu. Konflikte in partnerschaftlichen Beziehungen eskalieren wegen Verschiebung von Rollen, Übernahme von Verantwortung durch Homeschooling und erlebter Überforderung. Mehrfachbelastungen wie Home Office, Homeschooling und Haushalt führen zur Verstärkung von Beziehungskonflikten jeglicher Couleur, die auch eigentlich stabile Beziehungen stark belasten können.

Was kann man tun, wenn man psychische Folgen des Coronavirus verspürt?

Nicht nur das Ausmaß der Krise ist für viele Menschen neu, auch sind die Länge der Krise und die schwierige Planbarkeit belastend. Wichtig ist nun, individuell auf die Krise adäquat zu reagieren, da die Situation nicht ohne Weiteres auflösbar ist.

Die Überlegung, die Krise „einfach auszusitzen“ ist zu kurz gedacht. Es gibt Punkte von Überlastung, die einem Selbstheilungsprozess nicht mehr zugänglich sind. Wichtig ist es zunächst, sich der eigenen Resilienz bewusst zu werden und für sich zu prüfen, worin die eigene Resilienz besteht, also welchen Umgang man mit Stressoren nutzen kann, um sich in der Krise zu stabilisieren.

Wie kann ich meine Resilienz steigern?

Entscheidend ist für die Steigerung der eigenen Resilienz, die eigenen Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren. Manche Menschen pflegen einen humorvollen Umgang mit Schwierigkeiten, andere nutzen bewusst eine „rosarote Brille“ um besonders optimistische Szenarien für sich zu entwerfen.

Manche Menschen besinnen sich auf ihre Hobbies, nutzen ihre sozialen Netzwerke, fokussieren sich auf ihre sportlichen oder kulturellen Aktivitäten. Wichtig ist in der Krise vor allem, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen bzw. zu reaktivieren und nicht nach neuen Ressourcen zu suchen, da es sonst rasch zu Überforderung kommen kann.

Was kann ich tun, wenn die aktuelle Covid-19 Krise meine Resilienz überfordert?

Prinzipiell sollte man zunächst die inneren und äußeren Stressoren identifizieren und die eigenen Ressourcen erkennen, nutzen und ggf. reaktivieren. Wenn die Verwendung der eigenen Ressourcen nicht mehr ausreicht oder die Ressourcen ausgeschöpft sind, ist das Risiko von psychischen Folgen mit Krankheitswert gegeben. Ab einem bestimmten Krankheitswert ist es eben nicht mehr möglich, sich selbst zu stabilisieren. Zu beachten ist hierbei auch, dass es gerade in Familien nicht mehr nur um das Leiden bei dem Betroffenen selbst, sondern auch um das Leiden des Umfeldes geht.

Unterschätzt werden zum Beispiel Symptome wie verringerte Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, die in verbaler oder auch physischer Gewalt enden können, aber auch eine Unzufriedenheit die zur Belastung von Partnern und Familie führen kann.

Wie kann Resilienz in einem professionellen Umfeld gesteigert werden?

Eine Besonderheit der aktuellen Krise ist es, dass ambulante Hilfen eingeschränkt oder nur sehr schwierig zu erhalten sind. Der Zugang zu ambulanten Psychotherapeuten ist erschwert, da viele Psychologen keine Neuaufnahmen annehmen, kein direkter, sondern höchstens telemedizinischer Kontakt möglich ist.

In einem professionellen Umfeld wird zunächst analysiert, welchem Symptomenkomplex die Beschwerden zuzuordnen sind und gemeinsam mit dem Betroffenen die Entstehung, die Einordnung in den eigenen biografischen Kontext und mögliche Lösungswege erarbeitet. Neben den Lösungen zur Bewältigung der individuellen Problematik werden mittel- und langfristige Strategien zur Stärkung der eigenen Resilienz und zur Verhinderung erneuter Einbrüche entwickelt.

Gegebenenfalls werden spezifische Strategien zum Umgang mit besonderen Symptomen besprochen und angewandt. Ein wichtiger Schritt ist dann der Transfer der erarbeiteten Strategien in den Alltag, um sie erlebbar und anwendbar zu machen.

Prinzipiell warten Menschen eher zu lange bis der Leidensdruck zu hoch ist, anstatt früher und effektiver zu intervenieren.

Empfehlungen zur Stärkung von Resilienz und im Umgang mit psychischen Folgen der Corona Krise

  • Auf vorhandene, eigene Ressourcen konzentrieren
  • Innere und äußere Stressoren bewusst wahrnehmen, erkennen und gezielt Strategien festlegen. Stress entsteht vor allem durch die Bewertung der Stressoren
  • Wenn die eigenen Strategien nicht mehr ausreichen, ambulante Hilfe in Anspruch nehmen
  • Wenn keine ambulante Hilfe verfügbar oder nicht ausreichend, sollte eine stationäre und intensivere Behandlung in Anspruch genommen werden, um die weitere Verschlechterung zu verhindern und eine Chronifizierung zu vermeiden! Die Prognose bei entsprechender Intervention deutlich besser

Therapie, Behandlung in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie sorgt für weltweite Einschränkungen, Nöte und Ängste. Dies hat auch einen Einfluss auf die Therapie und Behandlung von Patienten mit psychischen Erkrankungen.

Distress und Eustress

Eustress ist die Bezeichnung für den positiven Stress. Situationen und Anforderungen, die wir als negativ empfinden, lösen allerdings die zweite Stressvariante, den sogenannten Distress aus.

Traumafolgen im höheren Lebensalter

Die Reaktivierung von Traumata betrifft vor allem Personen ab dem 65. Lebensjahr. Erinnerungen an Kriege, Entbehrungen in der Nachkriegszeit können Traumafolgestörungen auch viele Jahre später bedingen.

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