Habit Reversal bei Zwangsstörung

Was sind Zwangsstörungen?

Zwangsstörungen (englisch: Obsessive Compulsive Disorder/OCD) umfassen ein breites Spektrum von psychischen Merkmalen und auffälligen Denk- und Verhaltensmustern. Betroffene leiden unter sich aufdrängenden Zwangsgedanken oder fühlen sich gezwungen, bestimmte Handlungen auszuführen, die auf Außenstehende meist übertrieben wirken. Sowohl Zwangshandlungen als auch –gedanken sind in der Regel mit starken Emotionen wie beispielsweise Angst verbunden und führen zu einer starken inneren Anspannung. Gleichzeitig schränkt eine Zwangserkrankung die Betroffenen in ihrem alltäglichen Leben ein und sollte daher behandelt werden. Eine besonders zielführende Behandlungsmethode ist das Habit Reversal. Erfahren Sie hier mehr über weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Zwangsstörungen.

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Was wird unter Habit Reversal verstanden?

Habit Reversal Training (kurz: HRT) zählt zur Methodik der Verhaltenstherapie und ist ein Verfahren, um verschiedenartiges nervöses Verhalten in kurzer Zeit erfolgreich zu behandeln. Die Grundannahme der Therapiemethode ist, dass Verhaltensgewohnheiten ein Problem darstellen, sobald sie als Teil unbewusst ablaufender und zunächst nicht zwingend unangenehmer Verhaltensketten auftreten. Durch das Wiederholen bestimmter Verhaltensweisen werden diese von ihrer ursprünglichen Funktion entkoppelt und dienen vielmehr und beinahe ausschließlich zur Abwehr einer inneren Anspannung, weshalb sie für die Betroffenen selbst und deren soziales Umfeld eine große Belastung darstellen können.

Mithilfe des Habit Reversal Trainings erlernen die Patienten konkrete Methoden zum Durchbrechen dieser Verhaltensketten, welche sie im Alltag gezielt anwenden können. Die Therapie besteht dabei aus drei aufeinanderfolgenden Schritten.

Schritt 1: Problem beschreiben und erkennen

Damit die Habit Reversal Therapie bei Zwangsstörungen Erfolg haben kann, ist die Krankheitseinsicht des/der Patient*in erforderlich. Im ersten Schritt wird gemeinsam mit dem/der Therapeut*in herausgearbeitet, welche äußeren und inneren Faktoren maßgeblich für die bisherige Entwicklung der Zwangsstörung sind. Zudem wird der/die Patient*in für frühe Anzeichen der jeweiligen Verhaltensgewohnheiten sensibilisiert, damit Verhaltensketten in der Zukunft möglichst frühzeitig unterbrochen werden können.

Insbesondere bei Zwangsstörungen kommt es häufig vor, dass die Betroffenen die eigenen Probleme nicht ausreichend ernstnehmen oder diese zu verschleiern versuchen. Daher ist es umso wichtiger, dass der/die Patient*in die aktive Motivation entwickelt, etwas an der eigenen Situation zu ändern.

Schritt 2: Competing Response Training

Den zweiten Schritt bildet das sogenannte „Competing Response Training“, welches die zentrale Komponente des Habit Reversal Trainings darstellt. Ziel ist es nun, Verhaltensweisen einzuüben, welche mit dem eigentlichen Problemverhalten nicht kompatibel sind. Die konkreten Verhaltensweisen sind dabei abhängig vom jeweiligen sozialen Kontext als auch von der Art der Zwangsimpulse. Ein konkretes Beispiel wäre etwa, dass die Hände zur Faust geballt werden, sobald der/die Patient*in den Zwang verspürt, an den Nägeln zu kauen. Bei Ordnungszwängen hingegen kann eine Maßnahme sein, den Kleiderschrank gezielt „falsch“ einzuräumen.

Im Therapiesetting der Klinik Friedenweiler werden die alternativen Verhaltensweisen gemeinsam eingeübt, bevor der/die Patient*in sie eigenständig auf den Alltag übertragen soll. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die regelmäßige Wiederholung sowie Verstärkung der erlernten Maßnahmen.

Schritt 3: Generalisierungstraining

Der letzte Schritt des Habit Reversal Trainings ist die Generalisierung, also die Übertragung der bisherigen Fortschritte auf eine Reihe verschiedenartiger Szenarien. Der/die Therapeut*in führt den/die Patient*in gezielt Situationen vor Augen, in denen das Zwangsverhalten verstärkt auftritt, woraufhin diese*r die Anwendung der konkurrierenden Verhaltensweisen in der Vorstellung übt und anschließend auf die Realität überträgt.

Das Habit Reversal Training sorgt also für die Akzeptanz der Erkrankung, eine entspannte Herangehensweise sowie für den Umgang und das Entgegenwirken im Alltag. Die Behandlung gilt als erfolgreich abgeschlossen, wenn die Zwangshandlungen  nachgelassen haben und von der/dem Betroffenen in den meisten Situationen unter Kontrolle gebracht werden können. Insgesamt ist das HRT eine zuverlässige und zielführende Behandlungsmethode für Zwangsstörungen, die auch in der Klinik Friedenweiler angewendet wird.

Erfahren Sie hier mehr zu der Entstehung und Anwendung von Habit Reversal.

Häufig gestellte Fragen

Bei welchen Verhaltensweisen findet Habit Reversal besonders oft Anwendung?

Gerade bei Verhaltensgewohnheiten wie dem Nägelkauen, dem Aufkratzen der Haut, dem Daumenlutschen oder dem Ausreißen der Haare ist HRT eine erfolgreiche Behandlungsmethode. Aber auch bei motorischen Tics oder Stottern kann  das Habit Reversal Training zielführend angewendet werden.

Wie lange dauert eine Behandlung von Zwangsstörung mit Habit Reversal?

Die ersten Erfolge werden mit dem Habit Reversal Training bereits nach kurzer Zeit erzielt. Wie lange es dauert, bis die Behandlung komplett abgeschlossen ist, hängt von den persönlichen Fortschritten der Patient*innen und der Art sowie der Ausprägung der Zwangsstörung ab.

Verändert das Habit Reversal Training meine Selbstwahrnehmung?

Durch HRT lernt der/die Betroffene die Signale seines/ihres Körpers besser einzuschätzen. Zudem kann die Selbstwahrnehmung dahingehend beeinflusst werden, dass bestimmte Verhaltensweisen als dysfunktional anerkannt werden und eine Behandlung sowie die Übertragung und die Anwendung des Erlernten im Alltag erfolgen kann.

Burnout und Erschöpfungssyndrome

Burnout ist ein chronisches Erschöpfungssyndrom, das unbehandelt in psychosomatischen Erkrankungen und Depression münden kann.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie behandelt gezielt die Symptome psychischer Erkrankungen und soll die Handlungsfähigkeit des Patienten erweitern.

Burnout - Wie können Angehörige helfen?

Angehörige stehen der neuen Situation zunächst oft rat- und hilflos gegenüber, jedoch gibt es Möglichkeiten, wie sie die Betroffenen unterstützen können:

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