ICD-10 F24
Induzierte wahnhafte Störung
ICD-10 F24 - Induzierte wahnhafte Störung
Die induzierte wahnhafte Störung, auch „folie à deux“ genannt, ist eine seltene psychische Erkrankung, bei der eine Person den Wahn einer anderen übernimmt. Meist tritt sie in engen Beziehungen auf, z. B. zwischen Ehepartnern, Geschwistern oder Eltern und Kindern. Die induzierte Person glaubt an die wahnhafte Überzeugung, ohne eigene kritische Prüfung, und zeigt oft keine weiteren psychotischen Symptome.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Störung entwickelt sich durch eine intensive emotionale Bindung zu einer wahnerkrankten Person. Wichtige Risikofaktoren sind:
- Abhängige oder dominante Beziehungen, in denen eine Person starken Einfluss auf die andere hat.
- Soziale Isolation, wenn die betroffenen Personen kaum Außenkontakte haben.
- Vorerkrankungen oder psychische Labilität, die das Übernehmen von Überzeugungen begünstigen.
- Lange Exposition gegenüber dem Wahn, da wiederholte Konfrontation die Übernahme erleichtert.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine genaue Untersuchung der Beziehung zwischen den betroffenen Personen. Typische Merkmale sind:
- Wahnvorstellungen, die von einer primär erkrankten Person übernommen wurden.
- Mangelnde kritische Distanz, da die induzierte Person den Wahn vollständig teilt.
- Auflösung des Wahns nach Trennung, was die Diagnose bestätigt.
- Keine Anzeichen einer eigenständigen psychotischen Störung, da die Symptome von der Beziehung abhängen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die wichtigste Maßnahme in der Therapie ist die Trennung der betroffenen Personen, um die wahninduzierende Wirkung zu unterbrechen:
- Trennung und individuelle Betreuung, da sich die induzierte Person oft wieder stabilisiert, sobald sie Abstand gewinnt.
- Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, um kritisches Denken zu fördern.
- Medikamentöse Behandlung, falls begleitende Angststörungen oder depressive Symptome auftreten.
- Familientherapie, um das soziale Umfeld zu stabilisieren und Rückfälle zu verhindern.
Prognose und Umgang mit der Erkrankung
Die Prognose ist meist gut, wenn die betroffene Person vom Einfluss der wahnerkrankten Person gelöst wird. In vielen Fällen verschwindet der Wahn vollständig, sobald der Kontakt abbricht. Falls die induzierte Person selbst psychisch belastet ist, kann eine weiterführende Therapie notwendig sein, um Rückfälle zu vermeiden.
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Klassifikation der Schizophrenen, schizotypen und wahnhaften Störungen
| ICD-Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| F20: Schizophrenie | Psychische Erkrankung mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen und sozialem Rückzug. Der Realitätsbezug ist erheblich verändert. |
| F21: Schizotype Störung | Andauernde eigenartige Denkweisen, Misstrauen, emotionale Distanziertheit und ungewöhnliche Wahrnehmungen ohne ausgeprägte Psychose. |
| F22: Anhaltende wahnhafte Störung | Langanhaltender, klar umschriebener Wahn (z. B. Verfolgungs- oder Eifersuchtswahn) ohne ausgeprägte Halluzinationen oder Denkstörungen. |
| F23: Akute vorübergehende psychotische Störungen | Plötzlicher Ausbruch psychotischer Symptome wie Wahn, Halluzinationen oder Verwirrung, meist ausgelöst durch akuten Stress und zeitlich begrenzt. |
| F24: Induzierte wahnhafte Störung | Übernahme der Wahnvorstellungen einer nahestehenden Person („folie à deux“), typischerweise in engen, isolierten Beziehungen. |
| F25: Schizoaffektive Störung | Kombination von schizophrenen Symptomen (z. B. Wahn, Halluzinationen) und affektiven Episoden (depressiv oder manisch) in derselben Krankheitsphase. |
| F28: Sonstige nichtorganische psychotische Störungen | Psychotische Störungen, die keiner spezifischen Diagnose wie Schizophrenie oder wahnhaften Störungen eindeutig zugeordnet werden können. |
| F29: Nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose | Psychotische Symptomatik mit Wahn oder Halluzinationen, deren genaue Einordnung nicht möglich ist; Diagnose erfolgt bei unklarem Krankheitsbild. |