ICD-10 F63
Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
ICD-10 F63 – Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle verständlich erklärt
Die Klassifikation ICD-10 F63 umfasst die Gruppe der abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle. Diese psychischen Störungen zeichnen sich dadurch aus, dass die betroffenen Personen immer wieder Handlungen ausführen, die sie nicht oder nur schwer kontrollieren können, obwohl ihnen die negativen Folgen bewusst sind. Die Handlungen werden oft als „Drang“ erlebt, der nur kurzfristig als Erleichterung empfunden wird.
Was sind abnorme Gewohnheiten und Impulskontrollstörungen?
Diese Störungen betreffen das Unvermögen, bestimmten Impulsen, Trieben oder Versuchungen zu widerstehen, die zu schädlichem Verhalten für die betroffene Person selbst oder für andere führen. Das Verhalten wird wiederholt ausgeführt, auch wenn es zu Schuldgefühlen, sozialer Ablehnung oder anderen negativen Konsequenzen führt.
Im Gegensatz zu zwanghaften Handlungen (z. B. bei Zwangsstörungen, F42) werden diese Impulse nicht als unsinnig oder fremd empfunden, sondern mit einem gewissen Lustgewinn oder Spannungsabbau verbunden.
Typische Symptome
- Unwiderstehlicher innerer Drang, bestimmte Handlungen auszuführen
- Kurzfristige Erleichterung oder Befriedigung nach der Handlung
- Fehlende Kontrolle trotz Wissen um negative Folgen
- Wiederholung der Verhaltensmuster trotz schädlicher Auswirkungen auf das Leben
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose basiert auf einem ausführlichen Gespräch über das Verhalten, dessen Häufigkeit, Auslöser und Konsequenzen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen, insbesondere Zwangsstörungen, Suchterkrankungen und affektiven Störungen.
Behandlungsansätze:
- Psychotherapie:
- Kognitive Verhaltenstherapie zur Verbesserung der Impulskontrolle
- Techniken zur Spannungsregulation und Emotionskontrolle
- Suchttherapeutische Ansätze bei pathologischem Spielen
- Kognitive Verhaltenstherapie zur Verbesserung der Impulskontrolle
- Medikamentöse Therapie:
- Einsatz von Antidepressiva (z. B. SSRIs) bei Trichotillomanie oder anderen Impulskontrollstörungen
- In Einzelfällen auch Antipsychotika oder stimmungsstabilisierende Medikamente
- Einsatz von Antidepressiva (z. B. SSRIs) bei Trichotillomanie oder anderen Impulskontrollstörungen
- Ergänzende Maßnahmen:
- Psychoedukation über Impulskontrollstörungen
- Selbsthilfegruppen, insbesondere bei Spielsucht oder pathologischem Kaufverhalten
- Aufbau alternativer Verhaltensstrategien zur Spannungsreduktion
- Psychoedukation über Impulskontrollstörungen
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Klassifikation der abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
| ICD-Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| F63.0: Pathologisches Spielen (Spielsucht) | Unkontrollierbares, zwanghaftes Glücksspielverhalten trotz finanzieller, sozialer und beruflicher Folgen. |
| F63.1: Pathologische Brandstiftung (Pyromanie) | Drang, Feuer zu legen, ohne äußeren Anreiz oder finanzielles Motiv. Die Handlung dient der Spannungsreduktion oder dem Lustgewinn. |
| F63.2: Pathologisches Stehlen (Kleptomanie) | Wiederholtes, impulsives Stehlen von Gegenständen, die nicht benötigt werden. Der Akt des Stehlens steht im Vordergrund, nicht der Besitz der Gegenstände. |
| F63.3: Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen) | Unwiderstehlicher Drang, sich selbst Haare auszureißen (z. B. am Kopf, an Augenbrauen oder Wimpern). Die Handlung führt kurzfristig zu Spannungsabbau. |
| F63.8 / F63.9: Sonstige oder nicht näher bezeichnete Störungen der Impulskontrolle | Hierunter fallen z. B. pathologisches Kaufen (Kaufsucht), pathologisches Internetsurfen oder andere nicht klar klassifizierte Impulskontrollstörungen. |
Fazit
Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle gemäß ICD-10 F63 sind ernstzunehmende psychische Erkrankungen, die für Betroffene mit großem Leidensdruck verbunden sein können. Auch wenn die Handlungen kurzfristig als „Befreiung“ empfunden werden, führen sie langfristig zu erheblichen Problemen. Durch eine individuell abgestimmte Therapie lassen sich Impulse besser kontrollieren und alternative Bewältigungsstrategien entwickeln.