ICD-10 F55
Missbrauch von nicht abhängigkeitserzeugenden Substanzen
ICD-10 F55 – Missbrauch von nicht abhängigkeitserzeugenden Substanzen
Diese Diagnose umfasst den wiederholten, unangemessenen Gebrauch bestimmter Substanzen, die zwar nicht im klassischen Sinn abhängig machen, aber dennoch psychische oder körperliche Schäden verursachen können. Der Missbrauch erfolgt oft über längere Zeiträume und ohne medizinische Notwendigkeit.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Missbrauch nicht abhängigkeitserzeugender Substanzen kann viele Ursachen haben, darunter:
- Selbstmedikation, z. B. zur Linderung von Schmerzen, Schlafproblemen oder innerer Unruhe.
- Psychische Vorerkrankungen, wie Angststörungen, Depressionen oder chronische Schmerzstörungen.
- Zugänglichkeit der Substanzen, etwa durch rezeptfreie Verfügbarkeit.
- Erlernte Verhaltensmuster, z. B. der Glaube, ohne bestimmte Mittel nicht funktionstüchtig zu sein.
- Soziale und kulturelle Faktoren, etwa Normen, die den regelmäßigen Gebrauch fördern.
Diagnose
Die Diagnose F55 wird gestellt, wenn ein problematischer Gebrauch bestimmter Substanzen vorliegt – trotz fehlender stoffgebundener Abhängigkeit. Zu den Diagnosekriterien zählen:
- Längerfristiger und regelmäßiger Konsum, ohne medizinisch begründeten Bedarf.
- Fortgesetzte Einnahme trotz schädlicher Folgen, wie Nebenwirkungen oder Verschlechterung des psychischen Zustands.
- Keine körperliche Abhängigkeit im engeren Sinne, z. B. keine Toleranzentwicklung oder Entzugssymptome.
- Psychische Fixierung auf die Einnahme, z. B. das Gefühl, das Mittel „zu brauchen“.
Typische Substanzen bei F55
- Schmerzmittel ohne Opiate, z. B. Paracetamol, Ibuprofen
- Laxantien (Abführmittel)
- Vitaminpräparate
- Schlaf- und Beruhigungsmittel (nicht süchtig machend)
- Hormone, z. B. bei Leistungs- oder Körperbildstreben
- Kräuterpräparate, „natürliche“ Heilmittel, bei übersteigertem Gesundheitsverhalten
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Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie zielt darauf ab, den Substanzgebrauch zu beenden und die dahinterliegenden Ursachen zu behandeln:
- Psychotherapie, um Gewohnheiten, Ängste oder Zwänge zu erkennen und zu verändern.
- Psychoedukation, z. B. über Wirkweise, Nebenwirkungen und Risiken des Langzeitgebrauchs.
- Verhaltenstherapie, um gesunde Alternativen zum Substanzgebrauch zu entwickeln.
- Medizinische Begleitung, insbesondere bei körperlichen Folgeproblemen oder somatischen Beschwerden.
- Selbsthilfegruppen oder Beratungsangebote, z. B. bei ausgeprägtem Gesundheitswahn oder Abhängigkeit von Heilmitteln.

Prognose und Umgang mit der Erkrankung
Die Prognose ist in vielen Fällen gut, besonders wenn der Missbrauch früh erkannt wird. Entscheidend ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten sowie eine realistische Einschätzung des tatsächlichen Nutzens der eingenommenen Substanz. Unterstützende Gespräche, klare Aufklärung und eine professionelle Begleitung fördern die Veränderungsbereitschaft.