Bei einer Zwangsstörung bzw. Zwangserkrankung verspüren die Betroffenen den inneren Zwang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Es entsteht ein erheblicher innerer Druck, der durch die Ausführung einer gewissen Handlung oder eines Gedankens abnimmt, wodurch das Verhalten verstärkt wird, auch wenn es per se unsinnig ist. Mit Zunahme der Zwangssymptomatik verbringen Erkrankte viele Stunden am Tag mit Gedanken und Handlungen, die sie selbst als störend und überflüssig erleben. Durch diese Erkrankung werden die Erkrankten oft stark in ihrem Alltag eingeschränkt.

Die Ursachen einer Zwangsstörung sind multifaktoriell (mehrere Ursachen), finden sich aber vor allem in der Genetik und der Lerngeschichte des Betroffenen. Manche Patienten können für ihre Zwangsstörung individuell eine bestimmte Ursache erkennen, beispielsweise ein Waschzwang nach einer Vergewaltigung, bei anderen bleibt der Zusammenhang zwischen Erfahrungen und Ausbruch der Erkrankung weniger klar.

Zwangsgedanken sind Gedanken und Bilder, die sich ungewollt und zwanghaft immer wieder in den Kopf schleichen und sich aufdrängen. Die Betroffenen werden von diesen Gedanken meist stark belastet, da die Inhalte oft schambesetzt sind (aggressive, sexuelle, widersinniger Art).

Zwangsstörungen können im Allgemeinen sehr gut behandelt werden. Der Goldstandard zur Behandlung von Zwangsstörungen ist die störungsspezifische Psychotherapie. Im Rahmen dieser Behandlung werden vor allem Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie und Expositionstraining angewendet. Gegebenenfalls kann die Psychotherapie durch die Gabe von Medikamenten unterstützt werden. Da viele Betroffene sich entweder schämen und/oder die Zwangssymptome zunächst als zur Persönlichkeit gehörig empfinden und nicht als Erkrankung, kann es Jahre (oder Jahrzehnte) dauern, bis professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird.