ADHS im Erwachsenenalter | Klinik Friedenweiler
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15Jun

ADHS im Erwachsenenalter

Blog  

Die Abkürzung „ADHS“ wurde im Zusammenhang mit bestimmten Erlebens- und Verhaltensweisen („Zappelphilipp“/“Hans-guck-in-die-Luft“) insbesondere bei Kindern und Jugendlichen über die letzten Jahre immer intensiver diskutiert, insbesondere im Hinblick auf die Zunahme der verschriebenen Medikamente als Folge der Diagnose „ADHS“. Lange wurde davon ausgegangen, dass sich die damit gemeinten Symptome spätestens bis zum Ende der Adoleszenz „auswachsen“, und bei Erwachsenen nicht mehr auftreten. In wissenschaftlichen Studien wurde jedoch inzwischen nachgewiesen, dass auch Erwachsene von ADHS betroffen sein können. Was ist mit dem Begriff genau gemeint? Welche Symptome kennzeichnen die ADHS? Wie wird die Diagnose gestellt? Insbesondere gilt es zu beachten, dass aktive Kinder nicht pathologisiert werden, und ein Krankheitsbild durch eine Herabsetzung der diagnostischen Schwelle plötzlich eine erhebliche Zunahme erfährt.

 

1. Was heißt ADHS?

Erstmals wurden die Symptome der ADHS bei Kindern bereits 1902 wissenschaftlich beschrieben. Die Bezeichnung des Störungsbilds hat sich seither mehrfach verändert, heute wird die Diagnose als „Hyperkinetische Störung“, häufiger als ADHS, d.h. „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ bezeichnet (ADS=Aufmerksamkeitsdefizit-Störung: wenn keine Hyperaktivität vorhanden ist). Bereits in der Namensgebung der Erkrankung werden somit wichtige Symptome genannt.

 

2. Was sind Symptome von ADHS?

ADHS ist eine dynamische Erkrankung, d.h. die Symptome können sich über die Zeit hinweg verändern. Betroffen sind ungefähr 5% aller Kinder, mindestens die Hälfte dieser Kinder zeigen die Symptome auch noch als Jugendliche. Unter Erwachsenen gibt es ca. 2%, die von ADHS betroffen sind. Die wichtigsten Symptome der ADHS sind:

a) Aufmerksamkeitsstörung: Menschen mit ADHS fällt es schwer sich zu konzentrieren, aufmerksam bei einem Thema oder einer Tätigkeit zu sein (insbesondere, wenn diese eher langweilig ist) ohne sich ablenken zu lassen. Menschen mit ADHS müssen viel Energie aufbringen, um Aktivitäten durchzuhalten, die einer längeren Aufmerksamkeitsspanne bedürfen (z.B. Besprechung, Seminar), oder können dies evtl. gar nicht bewältigen. Mit großen Schwierigkeiten verbunden ist es ebenfalls, Arbeiten zu planen und strukturiert sowie selbstorganisiert durchzuführen. Immer wieder entstehen neue Ideen, sodass begonnene Aktivitäten zugunsten neuer Projekte oft nicht beendet werden. Häufig wirken Menschen mit ADHS verträumt, abwesend („mit den Gedanken woanders“), unorganisiert, vergesslich. Auch das Zuhören bei Gesprächen ist schwierig. Soziale Signale vom Menschen gegenüber werden nicht immer wahrgenommen, was dazu führen kann, dass vor allem betroffene Erwachsene mit ADHS als „unzuverlässig“ oder „selbstsüchtig“ missverstanden werden können. Bei Interesse und spannenden Tätigkeiten kann die Aufmerksamkeit aber völlig unauffällig oder sogar überdurchschnittlich gut sein.

b) Hyperaktivität: Insbesondere Kinder mit ADHS wirken ruhelos, zappelig, körperlich unruhig. Auch erwachsene Betroffene können z.B. ständig mit dem Fuß wippen, mit den Fingern trommeln, auf dem Stuhl hin und her rutschen. Diese äußerlich sichtbare Unruhe und Überaktivität nimmt verglichen mit Kindern im Erwachsenenalter jedoch oft ab. Häufiger berichten Erwachsene mit ADHS von „innerer Unruhe“, sie fühlen sich chronisch angespannt und unfähig zu entspannen, unaufhörlich kreisen die Gedanken.

c) Rasche Stimmungswechsel: Ein Teil der ADHS-Symptome besteht aus einer emotionalen Instabilität, die sich in häufigen und schnellen Stimmungsschwankungen bei oft kleinen Anlässen äußert. Diese Schwankungen in der Gefühlslage können von Wut und Aggressivität über Deprimiertheit zu Euphorie reichen, wobei die allgemeine Stimmungslage oft durch Langeweile, Unzufriedenheit und Suche nach Anregung gekennzeichnet ist.

d) Impulsivität: In ihrem Handeln sind Menschen mit ADHS häufig ausgesprochen spontan, ohne auf längerfristige, möglicherweise unerwünschte Konsequenzen zu achten. Ideen werden oft ohne „Nachdenkpause“ umgesetzt, auch weitreichendere Entscheidungen (z.B. Arbeitsplatzwechsel, Partnerwechsel) von Erwachsenen mit ADHS unmittelbar getroffen und verwirklicht.

 

3. Was sind mögliche soziale und psychiatrische Folgen von ADHS?

ADHS-Symptome können vielfältige Folgen haben. Einerseits kann ADHS Ressourcen ermöglichen wie Neugier, Kreativität, Fantasie, rasche Auffassungsgabe und Flexibilität. Andererseits kann es zu belastenden Komplikationen kommen. Die ADHS-Symptome können zu Schwierigkeiten in Schule (z.B. geringeres Bildungsniveau trotz ausreichender Begabung), Beruf (z.B. Schwierigkeiten bei der Ausbildung, häufige Arbeitsplatzwechsel im Erwachsenenalter) und Partnerschaft (z.B. Konflikte, Trennungen) führen. Der Selbstwert der betroffenen Person kann dadurch reduziert sein. Es können Begleiterkrankungen entstehen: Bei Erwachsenen z.B. Depression, Ängste, Zwänge sowie Missbrauch von Alkohol, Tabak und anderen Drogen. Letzteres beginnt bei Erwachsenen häufig im Rahmen einer versuchten „Selbstmedikation“, welche sich als Teufelskreis verselbstständigt.

 

4. Wie sieht die Diagnose der ADHS aus?

Die Diagnose der ADHS ist eine sogenannte „klinische Diagnose“, d.h. die Erkrankung ist nicht über einen „Bluttest“ oder bildgebende Verfahren oder den „einen psychologischen Test“ feststellbar. Grundlage der Diagnose ist stattdessen ein ausführliches diagnostisches Interview durch eine/n FachexpertIn. Dabei wird umfassend die psychische Befindlichkeit erhoben, um einerseits ADHS-spezifische Symptome zu erfragen sowie andererseits auch möglichen Folgeproblemen auf die Spur zu kommen – und andere psychische Erkrankungen, die die Beschwerden erklären könnten, auszuschließen. Zusätzlich zu diesem umfassenden Diagnose-Gespräch können auch Fragebögen und weitere Testpsychologische Untersuchungsverfahren (z.B. Konzentrationstests) eingesetzt werden, um ein differenziertes Bild der Symptome der ADHS zu erhalten.

 

5. Was sind mögliche Fragen im Diagnose-Gespräch bei ADHS?

Haben Sie Probleme, sich zu konzentrieren? Sind sie häufig geistesabwesend? Lassen Sie sich leicht ablenken? Sind Sie vergesslich?

Fühlen Sie sich innerlich ruhelos, angetrieben oder übererregt? Müssen Sie immer in Bewegung sein? Sind Sie zappelig? Springen Sie von einer Arbeit zur nächsten, ohne dass das Begonnene abgeschlossen ist?

Wechselt Ihre Stimmung schnell? Wie auf einer Achterbahn? Sind Sie schnell genervt? Haben Sie Wutausbrüche?
Stürzen Sie sich voreilig in Dinge ohne nachzudenken? Sind Sie ungeduldig? Können Sie nicht warten?

Neben der Selbstbeurteilung können für die Diagnostik zudem Einschätzungen und Hinweise aktueller Vertrauenspersonen wie z.B. LebenspartnerInnen des ADHS-Patienten wertvoll sein. Des Weiteren ist bedeutsam, nicht nur den aktuellen Befund des Erwachsenen zu betrachten, sondern auch den Verlauf der Symptome seit der Kindheit hinzuzuziehen: Für die Diagnose-Stellung einer ADHS im Erwachsenenalter ist es notwendig, dass Symptome nicht nur aktuell, sondern (zumindest teilweise) bereits in der Kindheit vorhanden waren. Dazu kann es hilfreich sein, z.B. damalige Schulzeugnisse mit einzubeziehen. Außerdem Rückmeldungen von den Eltern der inzwischen erwachsenen Person oder anderen Bezugspersonen bezüglich der ADHS-Symptome zu erhalten, die den/die Betroffene/n in früheren Lebensphasen erlebt haben. Zudem können Fragebögen eingesetzt werden, die sich auf Kindheit und Jugendzeit beziehen.

 

6. Kann ADHS im Erwachsenenalter behandelt werden?

Nach heutigem wissenschaftlichem Stand kann ADHS zwar nicht „geheilt“ werden, mittels kombinierter medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung können betroffene Erwachsene jedoch wirksam ihre Fähigkeit weiterentwickeln, mit ADHS und den individuellen Komplikationen umzugehen, und so ihre Lebenszufriedenheit in erheblichem Maße zu verbessern. Insbesondere können Menschen lernen ihr Leben so zu gestalten, dass Symptome der ADHS besser beherrschbar sind, und in den Alltag integriert werden können.

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